Carlo Petrini, internationaler Präsident von Slow Food, im Gespräch mit Ilse Aigner

09 Sep 2011 | German

Carlo Petrini, Gründer und internationaler Präsident von Slow Food, und Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner sind sich einig, dass es angesichts der wachsenden Verschwendung großer Mengen von Nahrungsmitteln in Europa zu einem Umdenken und Umsteuern kommen müsse.
«Es ist Zeit für einen Bewusstseinswandel, der zu mehr Wertschätzung für unsere Lebensmittel führt. Wir leben in einer Überfluss- und Wegwerfgesellschaft. Angesichts des Hungers in der Welt, einer steigenden Weltbevölkerung, des dramatischen Klimawandels und begrenzter Ressourcen ist es dringend geboten, umzusteuern», erklärten Petrini und Aigner nach einem Gespräch am Freitag in Berlin. «Produzenten, Handel und Verbraucher – jeder kann seinen Beitrag dazu leisten».
Noch gibt es keine genauen Zahlen, wie viele Lebensmittel in Deutschland tatsächlich auf dem Müll landen und an welchen Stellen besonders viel Abfall entsteht. Das Bundesverbraucherministerium wird deshalb Ende des Jahres erstmals eine von Wissenschaftlern erstellte “nationale Wegwerfstudie” vorlegen, die konkrete Zahlen liefern wird. «Ich begrüße es, dass in Deutschland eine öffentliche Diskussion entstanden ist über die Wertschätzung von Lebensmitteln. Darauf werden wir aufbauen – gemeinsam mit engagierten Verbänden wie Slow Food und zahlreichen Expertengruppen, die bereits hervorragende Ansätze zur Abfallverringerung erarbeitet haben», sagte Bundesministerin Aigner. «Es ist eine Frage der Prioritäten, und des besseren Dialogs zwischen Produzente und Verbrauchern, damit wir den wahren Wert unserer Lebensmittel wieder zu schätzen wissen,» so Petrini.
Petrini und Aigner trafen sich heute zu einem Gespräch im Bundesverbraucherministerium in Berlin. Mit dabei war auch Dr. Ursula Hudson, Vorsitzende von Slow Food Deutschland e.V. Schwerpunkt des Gespräches waren neben der Debatte zur Vermeidung von Lebensmittelabfällen auch die aktuellen Kernpunkte der Ernährungs- und Verbraucherschutzpolitik, wie die anstehende Reform der gemeinsamen Agrarpolitik der EU, die in 2013 abgeschlossen sein soll. Slow Food hat ein Positionspapier zur Reformnotwendigkeit der europäischen Agrarpolitik veröffentlicht, das Carlo Petrini der Ministerin übergab und mit ihr besprach.
«Es ist uns wichtig, unsere Position den höchsten Entscheidungsträgern in unserem Land deutlich zu machen. Slow Food hat eine Verantwortung gegenüber den Tausenden von Verbrauchern und Erzeugern, die sich uns als Mitglieder und Förderer anschließen, weil sie Lebensmitteln wieder bewusst einen zentralen Wert in ihrem Leben einräumen möchten,» erklärte Dr. Hudson.
Der Besuch von Petrini in Berlin erfolgt im Rahmen der Aktion gegen die Lebensmittelverschwendung ,Teller statt Tonne’, welche von Slow Food Deutschland e.V. zusammen mit dem Evangelischen Entwicklungsdienst und ,Brot die Welt’ veranstaltet wird. Auftaktveranstaltung ist eine große gemeinsame Mahlzeit aus Ernteresten und überschüssigen Lebensmitteln, mit begleitenden Tischgesprächen zwischen Vertretern aus Wirtschaft, Landwirtschaft, Politik und Kirche am Samstag 10. September 2011 am Reichstagsufer. Carlo Petrini schließt sich den zahlreichen freiwilligen Helfern an, die auf dem Obst- und Gemüsehof ,Teltower Rübchen’ in Teltow Kartoffeln und Gemüse nachernten, die Zutaten für die Mahlzeit an der langen Tafel. Die Produkte entsprechen nicht den gängigen Vermarktungsnormen, z.B. wegen Über- oder Untergröße, und werden deswegen vom Handel aus dem regulären Vertrieb ausgeschlossen. Mit der Aktion wollen die Veranstalter auf die erschreckende Verschwendung von guten, nährstoffreichen Lebensmitteln hinweisen, die an jeder Stelle der Produktionskette auftritt, sowie auf die Auswirkungen der persönlichen Kauf- und Essgewohnheiten, Klimawandel, Entwicklung der bäuerlichen Landwirtschaft, aber auch Flächennutzungskonkurrenzen in Entwicklungsländern und globale Ernährungsgerechtigkeit.

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