Slow Food zum europäischen Mitteilung für die Zukunft von Ernährung und Landwirtschaft, der die Richtung für die neue GAP weist

Heute hat die Europäische Kommission ihre Mitteilung zur „Ernährung und Landwirtschaft der Zukunft“ vorgelegt, die für die Diskussionen über die Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) richtungsweisend ist. Die Mitteilung zitiert viele Fragen, die von der Zivilgesellschaft erhoben wurden, enthält aber keine praktischen Maßnahmen, die einen Übergang zu wirklich nachhaltigen Ernährungssystemen fördern könnten.

Laut Slow Food betrachtet die Mitteilung das Lebensmittelsystem nicht ganzheitlich und sieht keinen Wechsel des Status quo vor. Trotz des Titels „Ernährung und Landwirtschaft der Zukunft“ konzentriert sie sich ausschließlich auf die Agrarproduktion und vernachlässigt das Ernährung in seiner Gesamtheit. Und obwohl auf einen eher ergebnisorientierten Ansatz verwiesen wird, unterstützt die Kommission in allem das derzeitige System der Direktzahlungen, das auf Ansprüchen und Flächen basiert.

Das Dokument unterstreicht die Bedeutung der modernen Technologien, die nur dann nützlich sind, wenn sie allen zugänglich sind, die Ernährungssouveränität fördern und die entscheidenden Probleme an der Wurzel angehen. Technologien, die schnelle Lösungen und Allheilmittel für die Auswirkungen des Klimawandels versprechen, bieten zum Beispiel keine realen langfristigen Lösungen. Die Mitteilung vernachlässigt völlig der Rolle der agrarökologischen Systeme und ihre Grundsätze: Agrobiodiversität in der Landwirtschaft, geringere Abhängigkeit von äußeren Faktoren, Förderung von sozialen Beziehungen und kurzen Produktketten, um stabile, flexible landwirtschaftliche Ökosysteme zu entwickeln und den Landwirten ein würdiges Leben zu garantieren.

Kurz gesagt fördern die Vorschläge in der Mitteilung keinen Übergang zu nachhaltigen Lebensmittelsystemen und rechtfertigen die Ausgabe von fast 40 % der EU-Bilanz für die GAP nicht.

Eine partielle Überarbeitung der Maßnahmen führt nicht zu langfristigen Lösungen. Slow Food fordert den Wechsel zu einer Gemeinsamen Ernährungspolitik, die das gesamte Lebensmittelsystem berücksichtigt: Dieses System muss mit einem integrierten, kohärenten Ansatz untersucht und reguliert werden.

Der Gesetzesvorschlag zur GAP wird nach der Vorlage des mehrjährigen Finanzrahmens formuliert, der für die erste Hälfte 2018 geplant ist und die Grenzen für die allgemeinen jährlichen Haushalte der Europäischen Union festlegt. Die Diskussionen über den Haushalt belasten die die Zukunft der GAP stark, vor allem weil infolge des Brexits Nettobeiträgen zum EU-Haushalt von über 10 Milliarden Euro verloren gehen.

Für weitere Informationen kontaktieren Sie bitte:

Pressestelle Slow Food International

Paola Nano, Giulia Capaldi

internationalpress@slowfood.it – Twitter: @SlowFoodPress

Slow Food ist eine internationale Organisation mit regionalen Wurzeln, die gute, saubere und faire Lebensmittel für alle fördert: Gut heißt gesund und dazu geschmacklich angenehm, sauber heißt, dass sie die Umwelt und das Wohlergehen der Tiere achten, fair heißt, dass sie die Arbeit von denen, die sie erzeugen, verarbeiten und verkaufen, achten. Slow Food ist eine große Organisation mit über 1500 lokalen Gruppen und 2400 Lebensmittelgemeinschaften, die für die gesamte Bewegung eine führende Rolle einnimmt und jedes Jahr Millionen Menschen einbezieht. Über Projekte wie die Arche des Geschmacks, die Presidi, die Gärten in Afrika und die Mobilisierung des Netzwerks Terra Madre schützt Slow Food das Agrar- und Lebensmittelerbe in aller Welt und fördert eine Landwirtschaft, die Umwelt, Gesundheit und lokale Kulturen bewahrt.

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