Phil Hogan muss seine Pläne ändeern!

Slow Food und eine breitere Koalition von Organisationen schicken heute einen Brief an den EU-Kommissar

Nachdem Phil Hogan, Landwirtschaftskommissar der Europäischen Union, kürzlich ankündigte, den Fleischverbrauch in Europa künftig mit €15 Millionen jährlich fördern zu wollen, sowie ab nächstem Jahr weitere €4 Millionen bereitstellen zu wollen, um neue Märkte für europäisches Rindfleisch zu erschließen, hat Slow Food entschieden, ein breites Bündnis von Organisationen der Zivilgesellschaft anzuführen, das dem EU-Kommissar heute einen Brief schickt, in dem erläutert wird, warum und wie seine Pläne verändert werden müssen.

Der Brief wurde von Slow Food unterzeichnet, Compassion in World Farming, Eating Better, Eurogroup for Animals, European Environmental Bureau, European Public Health Alliance (EPHA), Fern, Friends of the Earth Europe, Friends of the Earth (England, Wales Northern Ireland), Greenpeace European Unit, Humane Society International/Europe, und Safe Food Advocacy Europe (SAFE). in der Hoffnung, dass der Europäische Landwirtschaftskommissar diese Kritikpunkte in Betracht zieht und seine Pläne für die Zukunft überdenkt.

Fleischverbrauch und Fleischproduktion sind wichtige Themen, besonders angesichts der baldigen Klimakonferenz COP22. Industrielle Tierzucht ist eine der Hauptursachen für Treibhausgasemissionen (14,5% des Gesamtemissionen) und beansprucht 70% der landwirtschaftlichen Nutzfläche, was wiederum zu Abholzung, Verlust der biologischen Vielfalt, Bodenverarmung und einer Ausbeutung der Wasserressourcen führt. In Anbetracht des jüngst in Kraft getretenen Klimaabkommens von Paris (4. November 2016) gewinnen die Ziele der Europäischen Union zur Verringerung von Treibhausgasemissionen an Brisanz. Eine Einführung von Maßnahmen zur Steigerung des Fleischverbrauchs würde die Glaubwürdigkeit der EU untergraben und ihren Einsatz zur Bekämpfung des Klimawandels in Frage stellen.

Eine Steigerung der industriellen Fleischproduktion hat nicht nur negative Auswirkungen auf den Klimawandel, sondern betrifft auch Kleinerzeuger, die oftmals die einzige Einkommensquelle in Randgebieten darstellen, die sonst von Abwanderung bedroht wären, was wiederum zu hydrogeologischen Risiken und schleichender Urbanisierung führt. Ein zunehmender Fleischverbrauch wirkt sich auch negativ auf das Europäische Gesundheitssystem aus, da ein hoher Verzehr von verarbeiteten Fleischwaren und rotem Fleisch diverse Krankheiten bedingen kann, darunter Fettleibigkeit, Herzerkrankungen, Typ-2-Diabetes, verschiedene Krebssorten und ein erhöhtes Sterblichkeitsrisiko im Allgemeinen. Aktuell verzehrt jeder Europäer durchschnittlich fast 80 Kilo Fleisch jährlich, eindeutig zu viel.

Carlo Petrini, Gründer und Präsident von Slow Food, erklärt: „Slow Food setzt sich dafür ein, den Verbrauch von hochwertigerem Fleisch zu fördern, das nach den Grundsätzen eines guten, sauberen und fairen Produktionsprozesses hergestellt wird: ausgezeichnet werden sollten die Betriebe, die nachhaltig arbeiten, artgerechte Tierhaltung betreiben und lokale Rassen züchten. Die Produktion von hochwertigerem Fleisch ist darüber hinaus gesünder und schädigt die Umwelt weniger. Allzu oft ist die landwirtschaftliche Produktion nicht in der Lage, den Produzenten ein angemessenes Auskommen zu garantieren und es entstehen paradoxale Situationen, in denen Rohstoffe zu Preisen gehandelt werden, die unter den Produktionskosten liegen. Folge davon ist eine Verarmung der Produzenten, die oft ihre Betriebe aufgeben müssen.”

Der Brief fordert die Kommission auf, konkrete Maßnahmen zu ergreifen, um eine grundlegende Umorientierung des Fleischsektors in Europa einzuleiten, in Richtung geringerer Mengen, höherer Qualität, artgerechter Tierhaltung, besserer Umweltverträglichkeit, weniger Emissionen und einer besseren Abstimmung zwischen dem Kulturpflanzensektor und der Viehwirtschaft.

Slow Food engagiert sich mit der Kampagne Slow Meat in diesem Sinne.

Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an das Pressebüro von Slow Food International:

internationalpress@slowfood.it – Twitter: @SlowFoodPress

Slow Food ist eine internationale Organisation, die sich dafür einsetzt, dass alle Menschen gute Lebensmittel kennen und schätzen lernen können: gut für alle, die sich davon ernähren, die sie anbauen und für die Umwelt. Slow Food bezieht über eine Million Anhänger, Köche, Fachleute, Jugendliche, Erzeuger, Fischer und Akademiker in 160 Ländern ein. 100.000 Mitglieder sind in 1.500 lokalen Gruppen organisiert, die durch ihre Mitgliedschaft zur Finanzierung des Vereins beitragen und an den zahlreichen Events in den einzelnen Regionen teilnehmen. Zu den Mitgliedern kommen die 2400 Lebensmittelgemeinschaften von Terra Madre, die für eine nachhaltige Agrar- und Lebensmittelproduktion in kleinem Maßstab vertreten.