Die Slow Food Presidi auf der Cheese 2015

An der Cheese – der internationalen Messe zu den Formen der Milch, die vom 18. bis 21. September 2015 in Bra (Italien) stattfindet – werden Hunderte von Erzeugern aus Italien und dem Ausland teilnehmen. Die Gassen in der Altstadt werden dabei auch die Produkte von über 60 Slow Food Presidi aufnehmen: Käse, Tierrassen, Brot, Getreide, Honig und Konfitüren…

Die Presidi sind Projekte, die kleine traditionelle, vom Aussterben bedrohte Produktionen unterstützen, Gebiete aufwerten, alte Berufe und Verarbeitungstechniken wiederbeleben, autochthone Rassen, Obst- und Gemüsesorten vor dem Aussterben bewahren. Auf der Cheese werden die Produkte der Presidi mit dem sprechenden Etikett vorgestellt, einem besonderen System der Etikettierung, das von der Herkunft, der Produktionsmethode und den geschmacklichen Eigenschaften erzählt.

Seit langem engagiert sich Slow Food zusammen mit Käsern und Hirten, die sich mit Leidenschaft und Einsatz der Gleichschaltung und Standardisierung des Geschmacks widersetzen, und die Cheese ist die Chance, sie bekannt zu machen und zu fördern. Auf dem Markt können die Besucher die außerordentliche biologische Vielfalt der Käseproduktion aus vielen Ländern weltweit entdecken: aus Afrika und dem Balkan ebenso wie aus den Pyrenäen und den Alpen oder den nordeuropäischen Ländern.

Die vollständige Liste aller Presidi auf der Cheese steht auf folgender Adresse bereit: http://cheese.slowfood.com/it/le-forme-di-cheese/Presidi -slow-food/

Europa

In vielen Ländern stellen die europäischen Normen zur Hygiene und Lebensmittelsicherheit ein großes Hindernis für Kleinerzeuger dar, die eine wichtige Rolle für die nachhaltige Entwicklung und die Erhaltung der Natur in den ländlichen Gebieten erfüllen.

In den angelsächsischen Ländern wurden die handwerklichen Erzeuger mit ihren Geschmacksnuancen, den Traditionen und der Bewahrung der biologischen Vielfalt durch die Reglementierung von Rohmilchprodukten stark benachteiligt.

Das Vereinigte Königreich und Irland werden auf der Cheese von den Presidi Artisan Cheddar aus Somerset und Irische Rohmilchkäse vertreten. Das Letztere umfasst zehn handwerkliche Käsereien, die mit unterschiedlichen Stilen und Techniken, aber mit dem gemeinsamen Ziel arbeiten, hochwertigen Käse aus Rohmilch herzustellen.

In den Niederlanden sind die handwerklichen Käser seit Jahrhunderten in der Hand von Zwischenhändlern, die ihre Käse weiterverkaufen, ohne die Herkunft anzugeben. Bei der Cheese können die Besucher den uralten handwerklichen Gouda probieren, der noch von drei Käsern mit der Milch von friesischen Holsteinrindern handwerklich hergestellt wird und dessen Formen mindestens 24 Monate reifen, aber auch vier Jahre Lagerung erreichen können.

Aus Belgien kommen die letzten beiden Hersteller von Herve aus Rohmilch zur Cheese, einem Weichkäse mit gewaschener Kruste, der heute durch die strengen hygienischen Anforderungen der lokalen belgischen Gesundheitsbehörde AFSCA bedroht ist.

In Nordeuropa entstehen Slow Food Presidi mit dem spezifischen Ziel, Rassen zu schützen, die sich gut an die Umgebung mit ihrem kalten, unwirtlichen Klima anpassen können. 

Aus Norwegen kommt der Geitost zur Cheese, ein Käse mit brauner Masse und karamelligem Geschmack. Das Presidio des handwerklichen Geitost aus dem Sogne-Fjord ist das Symbol der Entschlossenheit der norwegischen Käser und Züchter, die sich den Vorschriften, die ausschließlich der industriellen Produktion zugute kommen, widersetzen.

Neu in diesem Jahr ist die Teilnahme Islands mit dem Presidio des traditionellen Skyr, in dem das uralte Rezept des Skyr, eines Frischkäse aus Sauermilch, erhalten werden soll. Das Presidio fördert und schützt die lokalen Kleinerzeuger und -landwirte und bezieht sie in die neue Entwicklung der länglichen Wirtschaft in Island ein. 

Das französische Baskenland wird von vier der traditionellen Produkte vertreten, die Slow Food Presidi geworden sind: Almkäse aus dem Iraty-Gebirge, wo noch die Praxis der Transhumanz gepflegt wird, Almkäse aus den drei Tälern des Béarn auf der französischen Seite der Westpyrenäen, die traditionellen Kirschsorten aus Itxassou und die Äpfel für die Cidreproduktion, ein Symbol für die Kultur und die biologische Vielfalt des Baskenlands, die es zu schützen gilt.

Aus den Schweizer Alpen sind die Presidi Vacherin fribourgeois aus Rohmilch sowie Emmentaler und Sbrinz vertreten.

Aus Italien nehmen 19 Presidi aus den Bergen an der Cheese teil. Zwei davon sind dieses Jahr das erste Mal dabei: das Frabosana-Schaf aus dem Piemont und die Orobica-Ziege aus der Lombardei.

Insgesamt gibt es in Italien 27 Presidi: eine große Käsevielfalt aus den Regionen Piemont, Lombardei, Emilia Romagna, Venetien, Südtirol, Latium, Basilikata, Friaul-Julisch Venetien, Kalabrien, Apulien, Kampanien, Sizilien und Sardinien.

Balkan und Osteuropa

Die traditionelle Produktion von Rohmilchkäse wird in den Ländern, die der EU in jüngerer Zeit beigetreten sind, stark gefährdet, weil die nationalen und regionalen Behörden, die für die offiziellen Kontrollen zuständig sind, nicht die von der europäischen Norm zur Hygiene und Lebensmittelsicherheit vorgesehene Flexibilität kennen und auf strengen Anforderungen bestehen.

Zur Cheese kommen aus Bulgarien das Presidio der Käse aus der Milch des Karakachan-Schafs, einer im Aussterben befindlichen Rasse – es gibt nur noch 400 Stück im Pirin-Gebirge – und der Grüne Käse aus Tcherni Vit, einer der wenigen natürlichen Blauschimmelkäse weltweit, den Slow Food dank der Arbeit der fünf Käser im Presidio zu schützen versucht.

Aus Rumänien: Branza de burduf, der im Bucegi-Gebirge hergestellt wird, das zu den höchsten innerhalb der Karpaten gehört.

Aus Polen: Oscypek aus dem Tatra-Gebirge, wo das Volk der Batza lebt, eine besondere Hirtenkultur.

Afrika

In Afrika ist die Käseproduktion anders als in Europa: Die Klimaveränderungen verursachen schwere Probleme für die Weiden, die Gewohnheit, die Ziegen zu melken, geht verloren, und die hygienisch-sanitären Bedingungen stellen ein großes Problem dar.

Unter den Ständen der Presidi bei der Cheese wird an einem Sonderstand die biologische Vielfalt Afrikas vorgestellt. Hier kann man die handgemachte Seife aus der Kamelmilch des Slow Food Presidio von den äthiopischen Karrayyu-Hirten finden, da es nicht möglich ist, die Kamelmilch nach Italien zu bringen. Die Besucher der Cheese können auch andere Slow Food Presidi und einige Lebensmittelgemeinschaften aus Kenia, Südafrika, Kap Verde, São Tomé und Príncipe kennen lernen.

Die Pokot, eine ethnische Gruppe eingeborener Hirten aus Ost-Kenia, bringen ihren traditionellen Joghurt mit Asche, ein Slow Food Presidio, zur Verkostung mit. Um diesen Joghurt zu erzeugen, wird die Milch in lange, schmale Behälter aus bestimmten Kürbissen – die Sorte heißt gourd – gefüllt, ruht mindestens drei Tage und wird dann mit der Asche aus dem Holz des lokalen CromwoBaumes gemischt, die antibakteriell wirkt.

Südafrika ist mit einigen Erzeugern aus dem Presidio der südafrikanischen Rohmilchkäse vertreten. Für sie ist die Cheese 2015 eine wichtige Chance, um die Verbraucher über die Vorteile von Käse aus nicht pasteurisierter Milch zu informieren und zu betonen, wie wichtig die handwerkliche Herstellung dieses Produkts in Südafrika ist.

Probieren kann man auch den gereiften Ziegenkäse vom Planalto di Bolona (Kap Verde). Die Methoden für die Tierhaltung und Käseerzeugung in diesem dürren, fast unbesiedelten Berggebiet sind Beispiele für eine beeindruckende Anpassungsfähigkeit an extrem schwierige Umgebungsbedingungen.

Eine Delegation aus Marokko bringt den Jben aus Chefchaouen mit, einen traditionellen Ziegenfrischkäse, der bereits Arche-Passagier ist.

Und last but not least wird ein Bereich auch dem Caffè Robusta aus São Tomé und Príncipe gewidmet, der 12 Familien aus São Nicolau und 8 Erzeugergemeinschaften aus dem Südosten, dem ärmsten Teil der Insel, mit insgesamt 150 Landwirten einbezieht.

Dazu findet im Haus der biologischen Vielfalt eine umfangreiche Veranstaltungsreihe mit Gesprächen mit Erzeugern, Köchen und Fachleuten statt. Das vollständige Programm finden Sie unter: http://cheese.slowfood.com/wp-content/uploads/2015/06/Programma-Cheese-2015_web.pdf

Presseakkreditierung für die Cheese: http://cheese.slowfood.com/en/press/pre-accreditation-request/

Die Cheese 2015 wird ermöglicht durch das Engagement der Gesellschaften, die an die Zukunft der hochwertigen Molkerei- und Käsereibranche glauben. Darunter sollen hier die Offiziellen Partner genannt werden: Consorzio Parmigiano Reggiano, Lurisia, Pastificio di Martino und Radeberger Gruppe Italia.

Cheese, die internationale Messe, die alle zwei Jahre von der Stadt Bra und Slow Food organisiert wird, findet im norditalienischen Bra von Freitag, 18. September, bis Montag, 21. September 2015, statt. Sie beschäftigt sich – dieses Jahr zum zehnten Mal – mit der Milch in all ihren Formen und hat zum Aufbau eines internationalen Netzwerks aus Käsern und Handwerkern im Molkerei- und Käsereisektor geführt. 

Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an das internationale Pressebüro von Slow Food:

Paola Nano, +39 329 8321285 [email protected]

Stadt Bra: Raffaele Grillo – Elena Martini, +39 0172 438278, [email protected]
 www.slowfood.com –  www.comune.bra.cn.it 

Slow Food ist eine Bewegung von Millionen Menschen, die die Philosophie von “guten, sauberen und fairen” Lebensmitteln verfolgen, ein Netzwerk aus Liebhabern, Köchen, Fachleuten, jungen Menschen, Landwirten, Fischern und Forschern in über 150 Ländern. Davon sind 100.000 Mitglieder in 1.500 lokalen Gruppen organisiert, die zur Finanzierung des Vereins durch ihre Mitgliedschaft beitragen und die an den zahlreichen Veranstaltungen in ihrer Umgebung teilnehmen. Zu den Mitgliedern kommen die 2000 Lebensmittelgemeinschaften von Terra Madre, die sich für eine nachhaltige Agrar- und Lebensmittelproduktion in kleinem Maßstab einsetzen. 

Die Slow Food Presidi unterstützen hochwertige Produkte, die vom Aussterben bedroht sind, sie erhalten einzigartige Regionen und Ökosysteme, werten traditionelle Verarbeitungsmethoden auf und schützen autochthone Tierrassen und lokale Pflanzenarten. Heute gibt es 450 Presidi in über 60 Ländern in allen fünf Kontinenten, die über 13.000 Erzeuger einbeziehen.

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