96 Vertreter aus 32 Ländern in Chiusi (Italien) beim Internationalen Rat von Slow Food

Im Mittelpunkt der Debatten standen die Slow Food Communities als Antwort auf die Probleme der Zukunf

13 Juni 2019 – Am 13. Juni 2019 traten in Chiusi, einer hübschen Kleinstadt in der Toskana, die 96 Vertreter von Slow Food aus 32 Ländern für das Jahrestreffen des Internationalen Rats zusammen, bei dem die Leitlinien für die Arbeit der kommenden 12 Monate festgelegt wurden.

Hauptthema der Diskussion waren die Slow Food Communities, die als das wirksamste Mittel gelten, um das Ernährungssystem an der Wurzel zu ändern, ausgehend vom eigenen täglichen Essen.

Die Community wird damit für Slow Food zur ersten Form des Zusammenschlusses innerhalb der globalen Organisationsstruktur, wie bereits beim letzten Slow-Food-Weltkongress in Chengdu (China) im Herbst 2017 beschlossen wurde.

Die Slow Food Communities werden für ein spezifisches Ziel gegründet (z.B. ein neuer Nutzgarten), das mit den allgemeinen Zielen von Slow Food verbunden ist. Sie arbeiten in einem bestimmten Gebiet und stehen im Dialog mit dem Rest des Netzwerks dort. Gleichzeitig setzen sie sich dafür ein, das internationale Netzwerk zu stärken. Dieses neue Organisationsmodell ist offeninklusiv und auf lokaler Ebene verankert, teilt aber gleichzeitig Ziele auf internationaler Ebene wie den Kampf gegen Lebensmittelverschwendung, Überwindung der Ungerechtigkeit, Schutz der biologischen Vielfalt und Gegenmaßnahmen angesichts des Klimawandels, um nur einige zu nennen.

Der Begriff Community ist nicht neu in der Geschichte von Slow Food: Er trat mit dem ersten Terra-Madre-Welttreffen 2004 in den Sprachgebrauch der Bewegung ein. Die Slow Food Community besteht aus einer Gruppe von Menschen, die die Werte der internationalen Bewegung teilen, angefangen von ihrer Hauptthese, nämlich, dass gutes, sauberes und faires Essen ein Recht für alle ist, und dass Slow Food, solange dieses auch nur einem Menschen auf der Erde verwehrt wird, weiter dafür kämpfen wird, es zu garantieren. Eine Slow Food Community entsteht mit einer Gründungserklärung: Sie enthält die Verpflichtung der Mitglieder, sich den Idealen von Slow Food anzuschließen, weiter das Engagement und das Ziel, das die Community sich vornimmt, um die gemeinsame Vision in ihrer Umgebung und im lokalen Kontext zu fördern, und den Beitrag, den die Community zur Unterstützung der internationalen Organisation und der strategischen Projekte des Netzwerks leisten will (Presidi, Arche des Geschmacks, Nutzgärten, Kampagnen).

«Im Mittelpunkt der Idee der Community steht für uns das Gemeingut in Verbindung mit dem Essen, der Umwelt, der Geselligkeit, der Spiritualität. Wir haben viel zu tun, um Tausende von Slow Food Communities weltweit zu gründen, aber wir gehen von den Netzwerken aus, die in der Bewegung schon aktiv sind, und von den schon realisierten Projekten: Arche des Geschmacks und Presidi, Chef Alliance, Märkte der Erde, Nutzgärten. Mit den Communities werden wir versuchen, die Herausforderungen anzugehen, die auf uns warten: das Klimaproblem und den Zusammenbruch der Ökosysteme», erklärte Carlo Petrini, Präsident von Slow Food.

Was Petrini hier erhoffte, wird bereits Wirklichkeit: Von Russland bis Südafrika, von Ecuador bis Kanada sind bereits 80 Slow Food Communities in der ersten Jahreshälfte 2019 entstanden.

Hier einige Beispiele: Beginnen wir in Italien mit der Community Gemeinschaftsgarten am Vesuv: biologische Vielfalt und Tradition, die in Cercola (bei Neapel) neben Anbau und Aussaat auch die Geselligkeit und Inklusion von Kindern, Menschen mit sozialen Problemen und schwächeren Bevölkerungsschichten fördert. Mirafood – für die Aufwertung von Mirafiori ist der Name einer urbanen Community in einem Randviertel von Turin mit vielen Grünflächen und Gemüsegärten. Sie konzentriert sich auf den Kampf gegen Lebensmittelverschwendung, die Pflege alter kulinarischer Traditionen, den urbanen Gemüsebau und die Einbeziehung ausländischer Gemeinschaften.

Ein anderer Kontinent: In Kolumbien lernen wir die Community Bocachica kennen, die rund hundert Fischer, Köche, lokale Erzeuger und Verbraucher einbezieht. Zusammen organisieren sie Begegnungen, Kochworkshops und Diskussionen, um den Reichtum der Meere und vor allem die Notwendigkeit, die Ökosysteme der Karibik zu schützen, bekannt zu machen.

Auf den Philippinen finden wir die 138 Mitglieder der Community der Kalinga aus Pasil, der ersten indigenen Gruppe des Landes, die sich für den Schutz und die Bewahrung von traditionellem Saatgut einsetzt und mehrere Reissorten fördert, die in hohen Gebirgslagen angebaut werden.

Aufwertung des gastronomischen Reichtums der Umgebung, Schutz der biologischen Vielfalt und Förderung eines nachhaltigen Tourismus: Das sind die Grundwerte für die Community Viscri in Rumänien. Die Vertreter der Community setzen sich also für die Kartierung, Unterstützung und Förderung von Projekten ein, um ihre Region neu zu beleben.

In Südafrika bezieht die Community Vhembe innerhalb des Projekts 10.000 Gärten in Afrika Hunderte von Menschen in Pflege und Anbau der lokalen Nutzgärten ein. Zu ihren Hauptzielen gehört auch die Einrichtung von Saatgutbanken, um das lokale Saatgut zu sammeln und zu schützen.

«Die Reise, die im Herbst 2017 in Chengdu begann, ist nur der letzte Schritt auf einem langen Weg, der Mitte der 90er Jahre in Italien begann und sich dann in 160 Ländern der Welt verbreitet hat. Heute haben wir diese Station in Chiusi, aber wir blicken schon auf Oktober 2020, wenn in Turin die nächste Terra Madre stattfindet – in diesem Rahmen tagt auch der nächste Internationale Rat von Slow Food. Dieser Kongress wird offener denn je sein, um gemeinsam die Zukunft von Slow Food zu schreiben und die Leitung an eine neue Generation von Führungskräften abzugeben. Sie haben die große Verantwortung, die Bewegung in den kommenden zehn Jahren zu führen, in denen auch die Zukunft der Menschheit zu einem Großteil entschieden werden wird», so Petrini zum Abschluss.

Der Internationale Rat von Slow Food wurde ermöglicht dank der Unterstützung der Stadt Chiusi, des Centro Commerciale Naturale Chiusi Città und der Zusammenarbeit mit der Condotta Slow Food Montepulciano Chiusi, den Erzeugern und den Kulturinstitutionen der Umgebung.

Die Arbeit des internationalen Rats von Slow Food wird am Sonntag, den 16. Juni, beendet. Aktuelle Informationen zu den Beschlüssen finden Sie auf: www.slowfood.com

 

Slow Food Press Office

internationalpress@slowfood.it

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