Menu for Change: The Winds of Change

fiji_menu for changeWenn man daran denkt, welche Auswirkungen der Klimawandel auf die Fidschi-Inseln und den Pazifik hat, kommt einem das Lied „Blowing in the Wind” in den Sinn:

Wie viele Jahre kann ein Berg überdauern, bevor das Wasser ihn mitnimmt ins Meer? Ja, und wie viele Jahre können Menschen leben, bevor man ihnen die Freiheit schenkt? Ja, und wie viele Male kann ein Mann sich abwenden und behaupten, er sähe einfach nichts?

Die derzeitige Regierung in Fidschi sagt zwar offiziell, dass wir unser Land und unsere Meere schützen müssen, unterstützt aber nicht-nachhaltige Praktiken wie Bergbau, Kiesgewinnung aus den Flüssen und Landwirtschaft unter Einsatz von Chemikalien und Pestiziden.

Der Premierminister von Fidschi, Voreqe Bainimarama, scheint sich dieses Problems bewusst zu sein, wie aus einer Rede von ihm hervorgeht, die am 13. Juli 2017 in der Zeitung Fiji Sun veröffentlicht wurde. In seiner Rede vor dem Gipfeltreffen, das im Rahmen des Entwicklungsforums der Pazifikinseln auf Honiara auf den Solomonen stattfand, sagte er:

„Wir bekommen die Auswirkungen der globalen Erwärmung hier am eigenen Leib zu spüren. Deshalb haben wir die Pläne zur Umsiedlung von über vierzig Küstendörfern in höhere gelegene Gebiete in Fidschi beschleunigt. Kürzlich wurde berichtet, dass das Verschwinden von fünf Inseln der Solomonen direkt mit dem Anstieg des Meeresspiegels und der vom Klimawandel bedingten Erosion zusammenhängt.

fiji_menu for changeAnfang des Jahres habe ich die katastrophalen Auswirkungen unserer immer gefährlicher werdenden Ozeane in Form des Tropensturms Winston hier in Fidschi mit eigenen Augen gesehen. Wir mussten fast ohnmächtig zusehen, wie das Meer ganze Dörfer verschluckte und mit unvorstellbarer Geschwindigkeit Küsten abtrug. Das war ein Vorgeschmack davon, wie unsere Zukunft aussehen könnte — und die Zukunft unserer Kinder, wenn wir nicht entschieden gegen die sich rapide verschlechternden Klimabedingungen unserer pazifischen Inselstaaten vorgehen.”

Aber diese Aussagen sind leider reine Theorie. Es wird nicht genug getan, um sie in die Praxis umzusetzen. Die Ursachen des Klimawandels kann man auch auf unseren Inseln sehen: Kiesabbau und nicht nachhaltige Landwirtschaftsmethoden, Emissionen der Fabriken und Fahrzeuge. Doch es gibt auch Gegenbeispiele: Nach wie vor zeigen indigene Völker auf der ganzen Welt, wie die indigenen Bewohner von Fidschi I-Taukei, einen respektvollen Umgang mit der Natur und Ehrerbietung für die Kräfte des Lebens, die die Jahreszeiten kontrollieren, die Fruchtbarkeit der Böden und die kontinuierlichen Zyklen, die die Grundlage der Gesundheit unseres Planeten bilden.

Dem Bericht der Fidschi-Inseln über Biodiversität 2014 an die Vereinten Nationen zufolge sind die Wälder von Fidschi, die 99% der einheimischen Artenvielfalt des Landes enthalten, „grundlegend für die Erhaltung der einzigartigen biologischen Vielfalt von Fidschi und leisten wertvolle Dienste für die Ökosysteme, wie Bodenschutz, Wasseraufbereitung und Kohlenstoffspeicherung. 90% der Wälder gehören den Familienclans, für die sie auch die Haupteinnahmequelle darstellen.

fiji_menu for changeEin Teil der Wälder von Fidschi ist bereits durch Rodung für landwirtschaftliche Nutzung, nicht nachhaltigen Holzeinschlag oder Brandrodung verloren gegangen. Viele der einheimischen Arten sind infolgedessen vom Aussterben bedroht, die Lebensgrundlage der Menschen vor Ort und ihre kulturelle Verbindung mit ihrer Heimat wird beschädigt und wertvolle Dienste für das Ökosystem gehen verloren. Aus diesen Gründen hängt sowohl die Zukunft der Menschen als auch der biologischen Vielfalt von Fidschi davon ab, dass die örtlichen Behörden zu einem nachhaltigen Umgang mit dem verbleibenden Waldbestand angehalten werden.

Ob Holzeinschlag, Kiesabbau, Mineralgewinnung oder landwirtschaftliche Großunternehmen – sie alle erfordern keine freie, vorab durchgeführte und auf Information basierende Zustimmung der indigenen Völker, wie von der Erklärung zu den Menschenrechten indigener Bevölkerungen oder dem Übereinkommen über indigene und Stammesvölker (ILO 169) vorgeschrieben. Auch wenn die Gesetzgebung in Fidschi zur Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) auf dem Papier vielversprechend aussieht, ist die Wirklichkeit leider eine ganz andere. UVPs sollen öffentlich gemacht werden, damit die Menschen sie lesen und darauf reagieren können. Aber wie soll die indigene Bevölkerung das tun, wenn sie nur auf Englisch veröffentlicht werden?

Landnutzung zu gewerblichen Zwecken wird von den Regierungen immer als positiver Schritt interpretiert, der Wirtschaftswachstum und Wohlstand mit sich bringt. Aber diese „gewerblichen Zwecke” beinhalten ausnahmslos die Urbarmachung des Landes und Vertreibung der indigenen Bewohner, um Fabriken, Ferienresorts oder sogar Städte zu bauen. Die einzige Zielsetzung ist Profitmaximierung, und das zu Lasten unserer Umwelt und der Lebensgrundlage der einheimischen Bevölkerung. Das ist eine kurzsichtige Praxis, die nicht nachhaltig ist und aufhören muss.

Wenn Fidschi dieses „Entwicklungskonzept” fortführen und eine Partnerschaft mit der Weltbank, dem Internationalen Währungsfonds oder anderen transnationalen Konzernen eingehen will, dann müssen wir auch bereit sein, auf lange Sicht die negativen Umweltauswirkungen dieser Entwicklung in Kauf zu nehmen. Die meisten Geldgeber interessieren sich doch gar nicht für unsere Existenz, unsere Umwelt, die Zerstörung unserer Artenvielfalt oder der Leben unserer Bevölkerung. Ihr Hauptziel ist die sichere und langfristige Zahlung von Zinsen auf die Schulden für Entwicklungsdarlehen. Für multinationale Privatunternehmen geht es in erster Linie um eine Maximierung der Profite, die in den seltensten Fällen im Land re-investiert werden.

Das Slow Food-Netzwerk auf Fidschi wird immer größer und arbeitet aktuell daran, den Menschen nachhaltigere Alternativen aufzuzeigen. Wir sind froh, berichten zu können, dass das Ernährungsministerium von Fidschi jetzt eng mit Slow Food zusammenarbeitet, um den Menschen nahezubringen, wie wichtig einheimische Obst- und Gemüsesorten und Hackfrüchte für die Ernährung sind. Sie sind nicht nur nahrhaft, sondern auch sehr gesund.

Die Existenz unseres ganzen Landes steht auf dem Spiel, wenn der Meeresspiegel weiter steigt. Die Entscheidungen, die wir jetzt treffen, geben den Ausschlag, ob auch die nächsten Generationen noch auf unseren Inseln leben können. Das wird die Zeit zeigen. Aber sie wird knapp.

Leo Nainoka

#SlowFood #MenuForChange


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