Visionäre der ganzen Welt, schließt euch Slow Food an!

Im Hinblick auf den Internationalen Kongress 2020 und das nächste Terra-Madre-Treffen in Turin kommt vom Internationalen Rat aus Chiusi das politische Programm der Slow-Food-Bewegung.

Sie sind die Grundpfeiler der weltweiten Lebensmittelherstellung und stellen  75% der Ernährung der Weltbevölkerung sicher. Und dennoch sind sie stark fragmentiert, haben keine Gewerkschaft oder sonstige Organisationsform, die sie vertritt und werden von der Politik nicht als aktive Akteure wahrgenommen. Es handelt sich um die 500 Millionen Protagonisten der  landwirtschaftlichen Familienbetriebe, die laut FAO eine Schlüsselrolle bei der Bekämpfung des Hungers und dem Schutz der Umwelt einnehmen. Bedroht werden sie vom unaufhaltsame Fortschreiten eines Wirtschaftsmodells, das Vereinheitlichung begünstigt und die Existenzgrundlage der Kleinbauern aufs Spiel setzt.

Ökologisch, sozial und wirtschaftlich. Das sind die drei Ebenen, auf denen unsere Projekte vor Ort in den Gemeinschaften ihre Wirkung entfalten: manchmal ändern sie wirklich das Leben der Familien. Das ist einer der Gründe, warum wir stolz sein können, Teil von Slow Food zu sein. Edie Mukiibi, eine der wichtigsten Führungspersönlichkeiten von Slow Food in Afrika

Seit über 30 Jahren engagiert sich Slow Food für das Recht auf gute, saubere und faire Nahrungsmittel. Mit seinen Initiativen zur Förderung exemplarischer Betriebe und Hersteller sowie seinen Projekten zum Schutz der biologischen Vielfalt in der Landwirtschaft und im Lebensmittelbereich hat Slow Food Weitblick bei der Umsetzung seiner Vision bewiesen. Zu den Initiativen  gehören die Presidi, die Arche des Geschmacks, die Terra-Madre-Lebensmittelgemeinschaften, das Bündnis der Köche sowie ein breites Netzwerk an Mitgliedern.

Aber es gibt noch viel zu tun. Wir befinden uns momentan an einem Scheideweg. Uns bleiben nur gut zehn Jahre, um ein Lebensmittelsystem umzukrempeln, das Produkte mit Handelswaren verwechselt und die Bedürfnisse der Individuen vergisst. Ein System, das langsam aber sicher das genetische und kulturelle Erbe zerstört. Dieses Ziel haben sich die über 90 Delegierten  aus 32 Ländern gesteckt, die bis vor kurzem in der italienischen Kleinstadt Chiusi für das Jahrestreffen des Internationalen Rats von Slow Food versammelt waren, bei dem die Leitlinien für die Arbeit der kommenden 12 Monate festgelegt wurden.

Slow Food ist die einzige Bewegung, die hervorhebt, wie wichtig die Artenvielfalt im Lebensmittelsystem für den Aufbau einer nachhaltigen Zukunft ist und deshalb Bündnisse zwischen Erzeugern aus der ganzen Welt knüpft, die auf Brüderlichkeit und gegenseitigen Austausch basieren. Susan Drion, Slow Food Youth Network, Holland

«Unser Ausgangpunkt muss der unermüdliche Einsatz für den Schutz und die Stärkung der biologischen Vielfalt sein. Nicht aus kulinarischem Fetischismus, sondern weil diese Vielfalt die Arbeit und das Leben von Millionen Frauen und Männern der Lebensmittelgemeinschaften repräsentiert. Mit unseren verschiedenen Projekten wollen wir sie unterstützen. Die Arche des Geschmacks beispielsweise würdigt die größten Meisterwerke der Natur. Es handelt sich nicht um ein archäologisches Erbe, sondern um ein lebendiges Erbe, das vor Ort in den einzelnen Regionen den Belangen zahlreicher Bauern, Fischer, Vereine und Lebensmittelhandwerker Gehör verleiht. Wir müssen die Biodiversität weiter registrieren, kennenlernen und schützen. Und sie den Menschen nahebringen, die sie zwar konsumieren, ohne sie jedoch zu kennen. Wir müssen politische Maßnahmen umsetzen, damit Biodiversität ein wirtschaftliches Paradigma wird.» So beschrieb es Carlo Petrini, Präsident Slow Food, den Ratsmitgliedern beim Treffen und leitete damit den Weg zu internationalen Kongress 2020 und zum nächsten Terra-Madre-Treffen ein.

Ich habe die Botschaft des Slow-Food-Netzwerks des Andenraums nach  Chiusi gebracht, um die Zukunft der  Slow-Food-Bewegung auf weltweiter Ebene mitzugestalten und sicherzustellen, dass sie eine solide Verwurzelung in der lokalen Kultur bewahrt. Esteban Tapia, Koch und Professor an der Universität San Francisco von Quito, nationales Ratsmitglied für Ecuador und das Netzwerk des Andenraums

«Terra Madre 2020 kann einen großen Wandel auslösen, wenn es uns gelingt, dabei Visionäre aus der ganzen Welt einzubeziehen. Unser Ziel ist es, Alternativen zu schaffen zum vorherrschenden Mantra, das auf Neoliberalismus und unendlichem Wachstum basiert, und statt dessen eine andere Vision von Wirtschaft in den Vordergrund zu stellen, die sich auf die Gemeinschaften, Regionen und das Gemeingut konzentriert. Nur so können wir dieses Treffen als Alternative zu Davos etablieren. Die Schweizer Stadt steht für eine neoliberale Weltsicht, Turin für eine ganz andere Vision. Die Vision einer Welt, die stärker werden kann, die die herrschenden Paradigmen einer zerstörerischen Wirtschaftspolitik verändern kann, die sich am Gemeingut  vergreift», so Carlo Petrini weiter.

«Durch unsere neue Struktur, die Offenheit und gegenseitigen Austausch fördert, und den auf der ganzen Welt gegründeten Slow Food Communities haben wir die große Chance, diese Personen zu erreichen. Betrachten wir nur die Universität der gastronomischen Wissenschaften, die jedes Jahr 600 künftige Führungspersönlichkeiten hervorbringt, die Slow Food dann in ihren jeweiligen Ländern repräsentieren werden. Dank ihnen haben wir die Möglichkeit, die jungen Menschen der Generation Z mit ihrem Engagement für den Klimaschutz abzuholen. Auch indem wir selbst versuchen, weniger analog und dafür digitaler zu werden, ohne uns dabei von der politischen Degeneration durch einen übermäßigen Einsatz sozialer Medien anstecken zu lassen», schloss Carlo Petrini ab.

 

 

 

 

 

 

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