Slow Meat: Bewusstseinsbildung zu Fleischkonsum und Fleischherstellung

Wie viel Fleisch essen wir? Viel—genauer gesagt, zu viel. Würden wir weniger, aber dafür hochwertigeres Fleisch essen, wäre das gut für unsere Umwelt, unsere Gesundheit und das Wohlergehen von Nutztieren.

Eins der wichtigsten Ziele von Terra Madre Salone del Gusto ist es dieses Jahr, Menschen für ihre eigenen Ernährungsstile und Konsummuster zu sensibilisieren. Dabei müssen wir vom Fleisch ausgehen, wo ein Richtungswechsel so dringend erforderlich ist wie nie zuvor: Wenn Sie an den verschiedenen Veranstaltung und Workshops von Slow Meat #foodforchange teilnehmen, können Sie die Gründe dafür herausfinden. Hier folgt ein kurzer Leitfaden mit vielen nützlichen Tipps.

Forum zur Bewusstseinsbildung

Was verstehen wir unter „hochwertiger Tierhaltung”? Über dieses Thema werden wir bei vier Treffen mit den Schwerpunkten Vieh (link), Ziegen und Schafe (link), Geflügel (link), und Schweine diskutieren. Im Falle der Schweine stellen wir einen Vergleich mit dem industriellen System zur Tierzucht an —meist von nur einer Rasse (der großen weißen) —, das hinter der Massenproduktion von gepökelten Fleischerzeugnissen steht. Während die Haltung von Schlachtschweinen zu Recht als eine der Zuchtarten mit den schlimmsten Auswirkungen auf das Wohlergehen der Tiere und die Umwelt angesehen wird, gibt es doch auch alternative Modelle, deren Grundlage die Zucht lokaler Rassen, artgerechte Tierhaltung und gesunde Ernährung der Nutztiere ist. Sie grenzen sich von der Logik einer möglichst hohen Produktion in einer möglichst kurzen Zeit ab.

Im Zusammenhang mit artgerechter Tierhaltung ist eine Veranstaltung der Präsentation einer internationalen Kampagne gewidmet, die die Organisation „Compassion in World Farming“ im September startet und deren Mission Slow Food unterstützt: End the Cage Age – Schluss mit der Käfighaltung (link). Darin geht es um die Lebensbedingungen, die viel zu viele Nutztiere ertragen müssen, da sie den Großteil ihres Lebens in Käfigen verbringen. Zum Glück gibt es sichere und nachhaltige Alternativen, die den Tieren eine bessere Lebensqualität ermöglichen.

Ein gutes Tierzuchtmodell wirkt sich nicht nur positiv auf das Wohlergehen der Tiere, sondern auch auf das Klima und die Umwelt aus. Mit der Veranstaltung Klimafreundliche Tierzucht  möchten wir den grundlegenden Unterschied zwischen industrieller Tierhaltung und Tierhaltung in Kleinbetrieben hervorheben und die verschiedenen Instrumente analysieren, die in diesem Bereich zur Verfügung stehen, um die Auswirkungen verschiedener Tierzuchtmodelle zu berechnen.

Doch es gibt noch mehr Raum für kritische Gedankenanstöße sowie Fragen. Verschiedene Veranstaltungen beleuchten das Verhältnis zwischen Tierzucht und Landwirtschaft. Besonders beim Forum Kann es eine Landwirtschaft ohne Tiere geben? werden wir zeigen, wie sich diese beiden Bereiche gemeinsam entwickelt haben, bis die industrielle Landwirtschaft und die chemischen Düngemittel einen Bruch herbeiführten. Wird das auch in der Zukunft so sein? Kann es eine Landwirtschaft ohne Tiere geben? Wie könnte sie aussehen?

Bei anderen Diskussionen geht es um Eier, Weidewirtschaft, Artenvielfalt bei Nutztierrassen, und alternative ethische Modelle, wie die der „bewussten Allesfresser”, die ihren Fleischkonsum willentlich reduzieren und mehr Wert auf hochwertigeren Fleischkonsum legen; sowie um Vegetarier und Veganer, die aus ökologischen, ethischen, gesundheitlichen oder sogar religiösen Gründen ganz auf Fleisch oder Tierprodukte verzichten. Kann man für diese verschiedenen Arten von Menschen eine gemeinsame Diskussionsbasis finden?

… die Workshops, wo Sie probieren können, was passiert

Sechsundzwanzig Geschmackserlebnisse mit Verkostungen von italienischen und internationalen Erzeugnissen sowie Kochkurse zu verschiedenen Themen, um unsere Fähigkeiten zu vertiefen und unseren Horizont zu erweitern, runden das Programm der 12 Foren ab, die je einer wichtigen Kampagne von Slow Food gewidmet sind. Wir haben Ihnen schon einen kleinen Vorgeschmack auf einige Geschmackserlebnisse gegeben. Hier kommt eine kurze Liste, damit Sie sich einen Überblick über das Programm verschaffen können.

 

  • Diskussion über heimische Nutztierrassen, die sich im Laufe der Zeit perfekt an die Gebiete angepasst haben, wo sie gehalten werden. Bespiele dafür sind die Modicana-Kuh, die kalabresische Podolica-Rasse, das Laticauda-Schaf, das Pomarancina-Schaf, das Navajo-Churro-Schaf, das Brogna-Schaf, die schwarzen Schweine aus Sizilien und vom Balkan, sowie das haarlose Schwein der Halbinsel Yucatán.

 

  • natürliche Pökelfleischwaren, z.B. ohne Nitrate, Nitrite oder sonstige Zusatzstoffe, die heutzutage Gang und Gebe sind, auch wenn diese Fleischerzeugnisse jahrhundertelang nur mit natürliche Konservierungsstoffen wie Salz, Pfeffer, Chili, Gewürzen oder durch Räucherung hergestellt wurden. Probieren Sie Salami aus der italienischen Region der Marken und der Po-Ebene, Bresaola, die der Michelin-Sterne-Koch Stefano Masanti aus dem Maremmaner Rind herstellt, pikante gepökelte Fleischerzeugnisse aus Kalabrien, die hervorragende Salami aus schwarzen abruzzesischen Schweinen (link), die Peppino Tinari auf dem Bauernhof in der Nähe seines Restaurants Villa Maiella produziert, sowie Fleischerzeugnisse, die nach ungarischen und südafrikanischen Techniken konserviert werden.

 

  • von der Nase zum Schwanz: Workshops darüber, wie man alle Teile des Tieres verwerten kann. Wenn es darum geht, Fleisch zu kaufen, sind wir oft faul. Wir bestellen immer die gleichen Stücke, aus denen wir schnell und einfach in wenigen Minuten eine Mahlzeit zubereiten können. Wenn wir uns aber ein bisschen anstrengen, können wir viele andere leckere Teile und Zubereitungsarten kennenlernen. Einige Beispiel? Polpette und Polpettone (link), zwei klassische italienische Rezepte zur Resteverwertung, oder die südafrikanischen Rezepte, um Abfälle in der Küche zu reduzieren.

 

  • Vegetarier-Workshops: alles Wissenswerte über Gemüse und Hülsenfrüchte. Einer der Kernpunkte der Kampagne Slow Meat ist die Empfehlung, tierische Proteine durch pflanzliche Proteine zu ersetzen. Hier können Sie viele Rezepte mit Hülsenfrüchten probieren: die seltenen lettischen Sorten (link) aus der „Kollektion“ von Baiba Smilga, Bohnen (link) des mexikanischen Slow Food Presidios, Lupinenbohnen (link) aus Italien und Südamerika, oder Cicerchia (link) aus den Marken und vom Balkan. Und wenn Ihnen die Hülsenfrüchte nicht ausreichen, gibt es noch ein vegetarisches Borschtsch (link) aus der Ukraine oder die vegetarischen Rezepte der Kuratoren der US-Kampagne „Fleischloser Montag” (link).

 

Doch damit nicht genug: Slow Meat wird auch bei Eataly präsent sein, im Rahmen der Workshops Nuda e Cruda („Pur und roh”), Fleisch des Piemonteser Rinds; Eine schwarze Linse!; sowie Crudo e Bollicine (Rohes Fleisch und Schaumweine). Natürlich wird Slow Meat außerdem beim großen Markt vertreten sein, der in den Messehallen des Lingotto ausgerichtet wird, und zwar auf den Ständen all der Erzeuger, die die Slow Food-Richtlinien zur Produktion von hochwertigem Fleisch einhalten.

Unterstützen Sie uns. Slow Meat heißt Bewusstsein.

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