Slow Food 2.0: Eine Reise um die Welt zu sechs neuen Gemeinschaften

collage comunità Slow FoodDas Slow Food-Netzwerk ist zur Zeit in verschiedenen Ländern tätig, um dort die neuen Gemeinschaften aufzubauen. Begeben Sie sich mit uns auf eine kurze Reise um die Welt, zu den ersten beispielhaften Gemeinschaften, die in den letzten Monaten entstanden sind.

Durch Gute Praktiken zur Bewahrung der biologischen Vielfalt

Slow Food-Gemeinschaft der Züchter von Mushunu-Huhn aus Molo – Kenia

Die Gemeinschaft besteht aus 37 Personen, zu deren Aktivitäten u. a. das Züchten des Mushunu-Huhns aus Molo (Slow Food Presidio) gehört und die an den Aktivitäten der Gärten in Afrika beteiligt sind. Seit 2009 setzen sie sich dafür ein, die biologische Vielfalt des Gebiets zu bewahren, insbesondere durch den Erhalt dieser Hühnerrasse. Das Hauptziel der Gemeinschaft ist es, die Züchtung dieser lokalen Rasse weiter auszudehnen und die Verbraucher dahingehend zu sensibilisieren, dass traditionelle Nahrungsmittel für immer zu verschwinden drohen. Dank der Gemeinschaft werden sie an Veranstaltungen und Treffen in ihrem Gebiet teilnehmen. Außerdem verpflichten sie sich zum Anbau von Produkten aus der Arche des Geschmacks. Des Weiteren wird die Gemeinschaft eng mit Slow Food Kenia zusammenarbeiten, um so Finanzmittel für die Projekte zur Bewahrung der biologischen Vielfalt des Landes zu beschaffen.

Geschmackserziehung und das Netzwerk der Köche

Die Slow Food-Gemeinschaft Bilbao Ostalaritza Eskola – Bilbao (Spanien)

Die Geschmackserziehung und die dabei grundlegende Rolle der Köche stehen im Mittelpunkt der Aktivitäten der Slow Food-Gemeinschaft Bilbao Ostalaritza Eskola. Die Mitglieder, allesamt Dozenten an der Hotelfachschule, haben die Ärmel hochgekrempelt und einen Nutzgarten mit lokalen Sorten angelegt, von denen einige sogar an Bord der Arche des Geschmacks zu finden sind. Außerdem haben sie eine interessante Zusammenarbeit mit dem Basque Food Lab aufgenommen. In diesem Bildungslabor für Forschung und Entwicklung auf dem Campus der Superior School of Hospitality Bilbao wird es die Möglichkeit geben, gemeinsam mit Studenten und lokalen Erzeugern zahlreiche Aktivitäten ins Leben zu rufen. Zudem verpflichtet sich die Gemeinschaft, in diesem Jahr das weltweite Projekt Slow Food Allianz der Köche finanziell zu unterstützen.

Synergieeffekte des lokalen Netzwerks zur Bewahrung alter Sorten

Gemeinschaft der Wächter der Kastanienwälder – Val Mongia – Piemont (Italien)

Zu den rund 20 Wächtern zählen Kastanienbauern und Aktivisten aus der Region Val Mongia im Süden des Piemonts, die für ihre jahrhundertealten Kastanienwälder bekannt ist. Die Gemeinschaft verfolgt zwei Ziele: einerseits soll die Landschaft geschützt und die biologische Vielfalt im Gebiet bewahrt werden, andererseits soll die Bedeutung dieses Erbes durch wirklich soziale Projekte ins Bewusstsein der öffentlichen Meinung gerückt werden (an diesen beteiligen sich auch Vereinigungen, die mit Menschen mit Behinderung oder Migranten arbeiten). Mit ihrem Engagement will die Gemeinschaft bewährte Gute Praktiken wiederaufleben lassen (wie das traditionelle Weiden der piemontesischen Kuh und das darauffolgende natürliche Düngen, Schnitt- und Veredelungstechniken), verbesserte Trocknungsprozesse sowie neue Kollaborationen mit Universitäten und Forschungsinstituten, die eine Verbesserung der Produktion anstrebt. Des Weiteren will die Gemeinschaft Workshops und spielerisch gestaltete Bildungsveranstaltungen organisieren und über den Zugang zu mündlichen und dokumentarischen Zeitzeugenberichten den Aufbau eines historischen Gedächtnisses (schriftlich und visuell) der Produktion initiieren. Der jährliche Beitrag soll der Arche des Geschmacks Slow Food zu Gute kommen.

Eine neue Gemeinschaft im indigenen Netzwerk

Die indigene Gemeinschaft Chumbi in Ecuador will traditionelle Nahrungsmittel aufwerten

In dieser indigenen Gemeinschaft ziehen 15 Mitglieder verschiedener Völker, wie Kichwa Otavalo, Karanqui, Cañari, Puruwa, Saraguro, Cayambis, Kitukaras, am selben Strang. Sie alle verbindet in erster Linie das Engagement für die Bewahrung ihrer Nahrungssouveränität und der Kampf für den Zugang zu ihrer Erde. Hauptziel ist es, die indigenen Gemeinschaften des Landes zu versammeln, um so eine Aufwertung ihrer gastronomischen Kulturen zu erreichen, und zwar durch die Organisation verschiedener Aktivitäten zur Unterstützung der Erzeuger, durch die Teilhabe an Governance-Organen des Netzwerks, durch eine Sensibilisierung im Einklang mit traditionellem Wissen und traditionellen Techniken sowie durch die Förderung der Slow Food Projekte. Insbesondere werden die Mitglieder Treffen organisieren, in deren Fokus Weiterbildung und Erfahrungs- und Wissensaustausch zu Themen wie Saatgut, die Agroökologie in den Anden und das Recht auf die Kontrolle über ihr Land und Wasser im Mittelpunkt stehen. Außerdem ist eine internationale Veranstaltung geplant, die die indigenen Völker, deren Wissen und die wichtigsten Produkte in Bezug auf deren Traditionen in den Mittelpunkt der Debatte stellt. Die Gemeinschaft verpflichtet sich außerdem, ihren jährlichen Beitrag den Projekten zur Bewahrung der biologischen Vielfalt zu spenden, allen voran die Arche des Geschmacks und die Presidi.

Ein Projekt für junge Leute in ländlichen Gebieten

Die Jugendgemeinschaft von Astana– Astana (Kazakhstan)

Diese Gemeinschaft entstand, um auch den jüngeren Generationen Slow Food-Themen näherzubringen. Sie richtet sich an junge Leute sowohl in den Stadtzentren, als auch in den ländlichen Gebieten des Landes, die bis heute von ausgeprägten Ungleichheiten gekennzeichnet sind. In erster Linie verpflichtet sich die Gruppe dazu, das traditionelle gastronomische Wissen zu bewahren. In diesem Zusammenhang werden Aktivitäten ins Leben gerufen, durch die junge Landwirte unterstützt und in die Lage versetzt werden, auch in Zukunft ihr eigenes Stück Land bewirtschaften zu können. Um dieses Ziel zu erreichen, ist die Erstellung einer Online-Plattform (bauyrsak.kz) geplant, auf der Erfahrungen, Wissen, Probleme und Lösungen ausgetauscht, aber auch regionale Treffen für alle Aktivisten aus Zentralasien organisiert werden können. Unter den geplanten Veranstaltungen setzen vor allem diese beiden ein Zeichen: die Disco Baursak, eine Disco Soup zum Thema Verschwendung und ökologische Nachhaltigkeit, sowie der Marathon des guten Geschmacks, der Teilnehmer auf eine Reise in die ländlichen Regionen mitnimmt, auf der man traditionelles Wissen und traditionelle Rezepte entdecken und katalogisieren kann. Mit ihrem jährlichen Beitrag hingegen will die Gemeinschaft das weltweite Projekt der Schulgärten fördern.

Die Herstellung von Rohmilchkäse zur Bewahrung lokaler Kleinbetriebe

Eine Slow Food-Gemeinschaft zur Förderung der Rohmilchkäseproduktion in Quebec – Kanada

An dieser Gemeinschaft wirken über 15 Personen mit, darunter auch einige Rohmilchkäseproduzenten aus Quebec und Aktivisten des Netzwerks. Die Position ist klar: Die Gemeinschaft spricht sich strikt gegen die Industrialisierung der Käseproduktion sowie gegen internationale Abkommen wie CETA aus. Ihr Hauptziel ist die Schaffung eines Presidios, an dem nicht nur Rohmilchkäseproduzenten des Landes, sondern auch alle anderen in der Käse-Produktionskette Tätigen beteiligt sind. Die Hauptaktivitäten der Gemeinschaft werden sich auf die Organisation von Kommunikationskampagnen zur Sensibilisierung der öffentlichen Meinung konzentrieren. Außerdem sollen lobbyistische Aktivitäten forciert werden, die das Recht auf eine Herstellung von Rohmilchkäse durchsetzen, wodurch gleichzeitig kleine handwerkliche Betriebe geschützt würden.  Zudem verpflichtet sich die Gemeinschaft, in diesem Jahr das weltweite Projekt Presidi Slow Food finanziell zu unterstützen.

 

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