IPES-Food stellt Konzept für eine Gemeinsame Lebensmittelpolitik für Europa vor, entwickelt unter Mitwirkung von Slow Food

„Wir brauchen dringend eine Gemeinsame Lebensmittelpolitik für Europa, um auf den Klimawandel zu reagieren und den Verlust der Biodiversität aufzuhalten.” Das war die Schlüsselbotschaft eines Berichts, der nach dreijähriger partizipativer Forschungsarbeit am 7. Februar vom Internationalen Expertenpanel für Nachhaltige Lebensmittelsysteme (IPES-Food) vorgestellt wurde. Mitgewirkt hatten daran 400 Akteure aus dem Lebensmittelsystem, darunter auch Slow Food, um gemeinsam ein Reformmodell zu entwickeln. Dieser Entwurf wurde beim Expertentreffen des Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschusses (EESC) vorgestellt.

„Heute ist ein denkwürdiger Tag: Die Einführung einer Gemeinsamen Lebensmittelpolitik kann einen echten Wandel hin zu einem nachhaltigen Lebensmittelsystem einleiten, wie es mit der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) bisher nicht möglich ist“, so Olivier De Schutter, Mit-Vorsitzender von IPES-Food beim Expertentreffen des EESC.

Der Bericht stellt 80 konkrete Reformvorschläge vor, einschließlich der Einführung von EU-weiten Beschränkungen der Werbung für ungesundes Essen. Die Mitgliedsstaaten sollen in diesem Zuge gesunde Ernährungsprogramme entwickeln, sowie eine EU-Beobachtungsstelle und einen EU-Rat für Lebensmittelpolitik etablieren. Das Vorhaben, einen EU-Rat für Lebensmittelpolitik einzuführen, stieß gleichermaßen bei der Zivilgesellschaft wie auch bei EU-Funktionären auf Zuspruch.

„Ein EU-Rat für Lebensmittelpolitik müsste allerdings gut mit den politischen Entscheidungsprozessen verknüpft sein, er darf nicht nur einen Placebo-Effekt haben. Die Empfehlungen der Interessenvertreter müssen wirkungsvoll in den Entscheidungsprozess eingebunden werden”, so Marta Messa, Leiterin des Europa-Büros von Slow Food, bei einer der Diskussionsrunden mit den Vertretern der Zivilgesellschaft.

Hochrangige Entscheider der EU-Institutionen nahmen an der Präsentation des Berichts beim EESC teil. Vytenis Andriukaitis,  EU-Kommissar für Gesundheit und Ernährungssicherheit, ermutigte die Diskussionsteilnehmer, sich nicht nur auf Lebensmittelpolitik zu beschränken, sondern vielmehr über gesundes Essen an sich zu sprechen. „Die Instrumente des öffentlichen Gesundheitswesens sollten in alle Politikbereiche integriert werden, vom Bauernhof bis auf den Teller, denn es besteht ein enger Zusammenhang zwischen Ernährung und Übergewichtigkeit von Kindern, Diabetes und Krebs. Unsere Generation steht in der Verantwortung, einen Wandel hin zu einer umfassenden, gesundheitsbewussten und nachhaltigen Lebensmittelpolitik zu schaffen und zu fördern.”

„Dank der GAP gibt es in Europa keine Lebensmittel-Engpässe mehr, doch unsere Umwelt zahlt den Preis dafür. Wir müssen dringend auf ein nachhaltiges, gesundes und umweltfreundliches Lebensmittelsystem umstellen”, fasste der Vorsitzende des EESC, Luca Jahier, in seiner Eröffnungsrede des Expertentreffens zusammen.

Der neue Bericht „Zu einer Gemeinsamen Lebensmittelpolitik für die Europäische Union” skizziert eine zielstrebige Vision mit klar abgestecktem Zeithorizont zur Reformierung des europäischen Lebensmittelsystems im Rahmen einer Gemeinsamen Lebensmittelpolitik: Ein politisches Rahmenwerk, das die Ausrichtung des gesamten Lebensmittelsystems festlegt und gleichzeitig die verschiedenen politischen Instrumente der jeweiligen Branchen neu ausrichtet.

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