Einen Offenen Brief von Carlo Petrini

Liebe Leiter der Slow Food-Gemeinschaften und Slow Food-Convivien,

liebe Slow Food-Mitglieder,

in dieser Zeit voll politischer Unsicherheit auf weltweiter Ebene, in der es an einer strategischen Vision fehlt und die uns so teuren Werte wie Solidarität, soziale Gerechtigkeit, Gemeingut und Inklusion immer mehr an Bedeutung verlieren, schreibe ich Ihnen diese Worte, in der Hoffnung, dass sie Ihnen als Ermutigung für die Herausforderungen dienen, denen Sie tagtäglich vor Ort gegenüberstehen.

Der Schutz und die Förderung der Biodiversität in der Tier- und Pflanzenwelt sowie im Bereich der Gastronomie ist das Thema, das uns seit über zwanzig Jahren bei unserer Arbeit antreibt. Seit jeher engagieren wir uns für die Schaffung eines neuen sozio-ökonomischen Entwicklungsmodells, das ein harmonisches Gleichgewicht zwischen Mensch und Natur ins Zentrum rückt. Dank den Presidi und der Arche des Geschmacks konnten wir vielen Gemeinschaften, die sich voller Hingabe und Leidenschaft für ihre Regionen, die Bewahrung der Traditionen und der Kultur ihrer Heimatregionen einsetzen, wieder zu einem Gefühl von Identität und Wertschätzung verhelfen.

© Alberto Peroli

Ich möchte Sie bitten, immer weiter zum Ausbau unseres großen Katalogs beizutragen, mit dem wir gerade vor einigen Wochen eine wichtige Zielmarke erreicht haben: 5.000 Produkte aus 91 verschiedenen Ländern der Welt. Dieses Projekt ist ein wesentliches Element, das den tieferen Sinn unserer großen Gemeinschaft definiert und das Aufschluss über alle wichtigen Fragen gibt, die sich in den strukturellen Veränderungen unserer Bewegung wiederfinden und die die Marschrichtung für die enorme Arbeit angeben, die ab 2020 vor uns liegt. Hinter den Arche-Passagieren stehen Gemeinschaften, die sich dafür einsetzen, die Bedeutung der lokalen Produkte, der traditionellen Kenntnisse und der Gemeingüter wieder aufzuwerten. Diese Produkte sind damit beispielhafte Vertreter eines alternativen und modernen Wirtschaftsparadigmas.

Diese lange Entwicklung, auf der uns die strategische Forschung der Universität der Gastronomischen Wissenschaften und die Arbeit ihrer jungen Studenten begleitet hat, die immer mehr zur Förderung diese Erbes beitragen, ist die Quintessenz unserer Mission. Einer Mission, die sich auf die ganze Welt erstreckt und die doch auf der ganzen Welt unterschiedlich ist, dabei jedoch immer mehr die verschiedenen Sprachen der Welt ins Zentrum rückt.

Ich hoffe, dass diese Orientierung – die bereits vom Internationalen Führungsausschuss verabschiedet wurde – von allen Betroffenen und in allen entsprechenden Ländern geteilt wird.

In einer Zeit, in der sich Millionen von Schülern auf der ganzen Welt für den Klimawandel und den Umweltschutz einsetzen, bekräftigt Slow Food seine Mission für den Schutz der Biodiversität.

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