Slow Food wird Teil des Bündnisses zum Schutz der Bienen

16 Aug 2017

api_neonicotinoidi_1In den 90er Jahren wurde von den Pharmakonzernen Bayer und Syngenta in der Europäischen Union eine neue Art von Insektenvertilgungsmittel namens ‘Neonicotinoide’ entwickelt und auf den Markt gebracht. Als in der Landwirtschaft die Verwendung von Imidacloprid, Thiamethoxam und Clothianidin zunahm, sahen sich die europäischen Imker innerhalb kürzester Zeit einer dramatisch gestiegenen Sterblichkeitsrate ihrer Bienenstöcke gegenüber. Viele ländliche Gebiete verwandelten sich für die Bienen in giftige Orte und mehr und mehr Imker suchten Zuflucht in geschützteren Naturgebieten oder Städten. Nach langangelegten Aufklärungskampagnen, bei denen Slow Food eine aktive Rolle spielte, setzten die Imkerschaft und Umweltschutzorganisationen 2013 ein Verbot der Neonicotinoide auf EU-Ebene durch, nach dem diese Agrochemikalien nicht mehr bei Nutzpflanzen verwendet werden durften, die Bienen anziehen. Zwischenzeitlich bestätigten Dutzende neuer wissenschaftlicher Veröffentlichungen die schädlichen Auswirkungen dieser Nervengifte nicht nur auf Honigbienen, sondern auch auf Wildbienen, Schmetterlinge, Fledermäuse, etc. Darüber hinaus wurde nachgewiesen, dass die Beschränkungen von 2013 nicht ausreichend waren, da Neonicotinoide die gesamte Umwelt belasten. Selbst wenn sie bei Nutzpflanzen angewendet werden, die für Bienen nicht interessant sind, verseuchen sie viele Jahre lang den Boden, werden dann durch das Oberflächenwasser nach oben gespült, verseuchen die umgebenden Nutzpflanzen und sogar Nektar und Pollen von Wildpflanzen, die Hauptbestandteile der Ernährung von Bestäuber-Insekten. Es gibt inzwischen genug Belege, um ein völliges Verbot der Neonicotinoide zu fordern.

Die Europäische Kommission hat Anfang dieses Jahres an die Mitgliedsstaaten einen Entwurf geschickt, um Neonicotinoide völlig zu verbieten. Das ist schon ein wichtiger Schritt, aber viele Mitgliedsstaaten haben Widerspruch eingelegt. Die Europäische Kommission braucht die Unterstützung der Mitgliedsstaaten, um ein absolutes Verbot durchzusetzen.

Deshalb haben Slow Food und einige NGOS, die gegen Pestizide eintreten, ihre Kräfte gebündelt und das Bündnis zum Schutz der Bienen  gegründet. Es handelt sich um eine Plattform lokaler, regionaler, landesweit und auf EU-Ebene tätiger NGOS, die zusammen Druck auf die Länderregierungen ausüben wollen, um eine Mehrheit der Mitgliedsstaaten dazu zu bringen, den Vorschlag der Kommission zu befürworten, Bestäuber-Insekten vor Neonicotinoiden zu schützen. Wir brauchen unsere Bestäuber genauso wie die Natur zum Leben; es ist höchste Zeit, ein Landwirtschaftsmodell zu entwickeln, das sie schützt!

 

Martin Dermine

Koordinator des Projekts zum Schutz der Bestäuber-Insekten

Pestizid-Aktionsnetzwerk Europa

 

Slow Food hat in der Europäischen Union einige Presidi-Projekte zum Schutz von Kleinerzeugern gestartet, die mit Bienen arbeiten, darunter der polnische Met, die belgische dunkle Biene, und die Hochgebirgshonigsorten aus Norditalien. Wir setzen uns mit unseren Kampagnen weiterhin aktiv gegen die Verwendung von Pestiziden in der Europäischen Union ein und für die Wertschätzung der bedeutenden Rolle, die die Kleinerzeuger für den Schutz der biologischen Vielfalt und die Zukunft der europäischen Landwirtschaft spielen.

 

Weitere Informationen

Projekte der Slow Food Stiftung für biologische Vielfalt zum Bienenschutz

 

 

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