Menu For Change: Leidy Casimiro Rodriguez erzählt…

10 Dez 2017

agroecologia_cubaLeidy Casimiro Rodriguez ist eine Expertin für Agroökologie mit fundierten Fachkenntnissen und langjähriger Forschungserfahrung über die alltägliche Arbeitspraxis kubanischer Landwirte.

Während der Sonderperiode, wie die schwere Wirtschaftskrise auf Kuba bezeichnet wurde, kehrte Leidy mit ihren Eltern auf den familieneigenen Bauernhof zurück. Die Familie machte den Hof innerhalb von dreiundzwanzig Jahren zum nachhaltigsten Landwirtschaftsbetrieb Kubas. Sie arbeiten dort nach agroökologischen Methoden, die dem Klimawandel entgegenwirken und die Ernährungssicherheit garantieren.

Neben ihrem Doktorat entwickelte Leidy eine mathematische Formel, um den Sozioökologischen Resilienz-Index von Familienhöfen zu messen. Dieser Index gibt Auskunft darüber, wie gut Bauern die oftmals negativen externen Faktoren bewältigen können:

„Die Sonderperiode war für die dritte und vierte Generation meiner Familie eine positive Herausforderung. Sie bot die Gelegenheit, zum Familienhof zurückzukehren, den die erste und zweite Generation aufgrund der gravierenden Verschlechterung von Böden und Infrastruktur praktisch aufgegeben hatte.

Anfangs waren unsere Methoden allerdings noch nicht gänzlich agroökologisch. Wie alle Anfänger erlebten wir Rückschläge, das ist ganz normal. Wir versuchten, Agrochemikalien ohne Chemikalien herzustellen, aber wir hatten weder finanzielle Mittel noch Erfahrung, dafür viel Begeisterung. Die Idee zur Umstellung unseres Hofs auf Agroökologie stammt von der kubanischen Bewegung für Agroökologie und Permakultur und ist das Ergebnis einiger Jahre voller bitterer Erfahrungen mit Agrochemikalien.

Die Welt braucht solche Beispiele und Kuba ist aus vielerlei Gründen vermutlich eins der Besten. Wir schlagen vor, ein nationales Projekt zu schaffen, um fast eine Million Hektar ungenutzten Landes zu verwenden, das Hunderttausend Familien gehört.

Um dem Klimawandel Einhalt zu gebieten, wäre es sehr wichtig, das Leben auf dem Land als Modell wieder einzuführen. Damit könnte man die Schäden an Böden und Ökosystemen im Allgemeinen vielleicht beheben.

Wir glauben, dass Kleinerzeuger durch die Nutzung erneuerbarer Energiequellen und das Know-How jedes einzelnen Hofes in Bezug auf das Mikroklima, die biologische Vielfalt und die lokalen Gebräuche einen wichtigen Beitrag leisten können. Das wurde uns klar, als wir die Möglichkeit hatten, die verschiedenen Modelle zu vergleichen.

Als wir verstanden hatten, dass der kleine Familienbetrieb unglaubliche Kräfte entfalten konnte, wurden wir stärker, als wir je gedacht hätten. Wir konnten tagtäglich die Gesetze der Natur interpretieren, Tag und Nacht erfahren und Jahr für Jahr Experten in den gesammelten Erfahrungen werden.

Wir haben verstanden, dass Kleinerzeuger besser arbeiten als industrielle Agrochemiebetriebe. Unsere Entscheidungen basierten auf Know-How und Erfahrung der Familie.

Der von mir entwickelte sozioökologische Resilienz-Index ermöglicht es zu bewerten, wie gut ein Familienbetrieb oder ein ländliches Gebiet mit der Zeit externen Einflüssen standhalten können. Und zwar so, wie es die Familie oder die Gesellschaft für richtig hält, wobei gleichzeitig der Boden, die natürlichen Ressourcen, die soziale und die Artenvielfalt erhalten und geschont werden. Diese Widerstandsfähigkeit sollte es den Bauernfamilien und Höfen erlauben, ihre Gemeinschaftsumgebung zu erhalten und zu bereichern und ihre Anfälligkeit für negative externe Einflüsse, wie den Klimawandel, Marktverluste, politische Umwälzungen, etc. zu verringern.

Die Methodik zur Evaluierung der sozioökologischen Resilienz, die auf der 23-jährigen Arbeit meiner Familie basiert, ermöglicht uns eine Echtzeit-Analyse der Fortschritte und Dynamiken von Familienbetrieben mit Fokus auf ihre Resilienz. Damit können wir auch diesen Entwicklungsprozess unterstützen, der die Erfahrungen vergangener Projekte für zukünftige Projekte nutzbar macht .

Die Evaluierungsmethode ermöglicht wirkungsvolle Entscheidungsprozesse, sowohl für die Bauern, die Maßnahmen zur Verbesserung ihrer Widerstandsfähigkeit ergreifen können, als auch für Politiker, die sie zur Entwicklung der Agrarpolitik nutzen können.

Wir sind der Slow Food-Bewegung beigetreten, weil sie unsere Lebensphilosophie mit innovativen Ansätzen für gesunde und vielseitige Lebensmittel kombiniert, den Produktionszyklus von Lebensmitteln durch neue Vorschläge und Mehrwerte bereichert und uns neue und kreative Wege zeigt, um gute, saubere und faire Lebensmittel herzustellen. Slow Food ermöglicht eine ganzheitliche und nachhaltige Sicht auf die Produzenten- und Konsumentensphäre, die normalerweise immer getrennt voneinander betrachtet werden, obwohl sie eng miteinander zusammenhängen.

Die Kampagnen von Slow Food zu unterstützen bedeutet, Ressourcen für eine wichtige Bewegung bereitzustellen, die sich für das Gemeinwohl, für den Erhalt der Traditionen und der Vielfalt und damit für eine gesunde und nachhaltige Gesellschaft einsetzt.”

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