Essen ist Politik: die Konferenzen und Foren von Terra Madre Salone del Gusto 2016 sind online

21 Jun 2016

11 Konferenzen im Teatro Carignano, dem wunderschönen italienischen Logentheater und symbolträchtigen Ort für Turin, und 40 Foren des Netzwerks Terra Madre im Polytechnikum, im Castello del Valentino, der Turiner Universität und dem alten Messezentrum Torino Esposizioni: Ab heute ist ein weiterer wichtiger Teil des Programms für Terra Madre Salone del Gusto 2016 online. Er bietet über 50 Chancen, um das Thema “Die Erde lieben” von vielfältigen Aspekten aus zu behandeln und zu entdecken, wie das Essen im Guten wie im Schlechten unsere Erde verändern kann.

ING_verticale3Slow Food blickt seit jeher von einem holistischen, ganzheitlichen Standpunkt auf die Lebensmittelwelt in dem Bewusstsein, dass über Gastronomie sprechen häufig bedeutet, von Politik zu sprechen, von individuellen und kollektiven Entscheidungen, die Einfluss auf unsere Gesundheit, unsere Umwelt, auf die Gesellschaft, die Wirtschaft und andere Bereiche haben…

Alle Events, die von Slow Food organisiert werden, zeigen, dass das Essen ein wichtiger Vermittler ist, um die Realität zu analysieren, zu interpretieren und Entscheidungen zu treffen. Um zu erkennen, wie stark Lebensmittel mit der Politik verbunden sind, ist ein großer Teil des Programms der thematischen Vertiefung und Auseinandersetzung gewidmet, so die Konferenzen und die Terra Madre Foren. Wenn Sie an Terra Madre Salone del Gusto 2016 teilnehmen wollen, laden wir Sie daher ein, das Veranstaltungsprogramm zu lesen und die Termine, die Sie am meisten interessieren, zu buchen oder im Kalender zu vermerken. Hier geben wir Ihnen einen kurzen Überblick, damit Sie sich orientieren können und eine erste Vorstellung bekommen.

Die Kontrolle des Ernährungssystems von der Saatgut- bis zur Dünger- und Pestizidproduktion steht im Mittelpunkt des Dialogs zwischen der Expertin für Ernährungspolitik Marion Nestle und dem Aktivisten und EU-Parlamentarier José Bové. Ihr Gespräch hat den Titel “Sie sind Giganten, aber wir sind viele”. Ebenfalls um das Thema Ernährungssystem geht es im nächsten Termin, er setzt aber einen Schwerpunkt auf die landwirtschaftliche Praxis, nämlich die Agrarökologie, die es umstürzen könnte, da sie auf Vielfalt basiert und die natürlichen Ressourcen schont: Zu dem Gespräch “Kann Agrarökologie die Welt ernähren?” wurden Miguel Altieri, einer der wichtigsten Verfechter dieser im wörtlichen Sinne “im Feld” angewandten Wissenschaft, und Yacouba Savadogo eingeladen, der durch den Einsatz von traditionellen Anbautechniken ein Stück Sahelzone wieder zum Leben erweckt hat. Und dann diskutieren die Wirtschaftsfachleute Serge Latouche, Eric Holt-Gimenez und Stefano Zamagni darüber, dass die Vorstellung eines unendlichen Wachstums auf einem Planeten mit endlichen Ressourcen nicht mehr nachhaltig ist – ihr Thema heißt “Eine neue Welt ist nicht nur möglich, sondern notwendig”.

In drei Gesprächen diskutieren Direktoren von bedeutenden Turiner Museen mit international berühmten Künstlern und Fachleuten: In “Der Planet Erde, gesehen von oben und in den Gesichtern der Menschen” trifft Alberto Barbera vom Nationalen Kinomuseum auf den Regisseur und Fotografen Yann Arthus-Bertrand, der 30 Jahre lang den Einfluss des Menschen auf die Natur aus der Luft gefilmt hat; in “Die Beziehung zur Erde in der modernen Kunst” pricht Carolyn Christov Bakargiev von der Turiner Galerie für moderne und zeitgenössische Kunst (GAM) mit dem indischen Künstler Amar Kanwar über die Fähigkeit der Kunst, politische Veränderungen, die Umwelt und Landschaft betreffen, zu spiegeln; in “Lebensmittel und Landwirtschaft in Ägypten früher und heute” begleitet Christian Greco die Teilnehmer bei der Entdeckung eines der ältesten Landwirtschaftssysteme der Welt, während die Soziologin und Ägyptologin Malak Said Ahmed Rouchdy die beherrschende Rolle der Lebensmittel in den jüngsten Krisen des Landes darstellt.

ING_verticale2Aber das ist noch nicht alles! Mit Alice Waters, Ronnie Finley und Edward Mukiibi sprechen wir über Nutzgärten, die in der afrikanischen Provinz ebenso wie auf Terrassen und in Schulhöfen Amerikas eine wahre urbane und ländliche Revolution auslösen. Wir erfahren, wie vier hochrangige Chefs wie Gastón Acurio, Michel Bras, Olivier Roellinger und Altin Prenga ihre Rolle als Koch interpretieren : Sie sehen sich als Sprecher von kulturellen, ökologischen, ethischen und sozialen Anliegen. Mit Franco Berrino, Andrea Pezzana und Kathleen Sykes diskutieren wir über den Einfluss, den unser tägliches Essen auf unsere Gesundheit haben kann, und mit dem Comiczeichner Zerocalcare, Edward Loure, Gewinner des Goldman Environmental Prize, und und Gino Strada, Chirurg und italienische Pazifist, Gründer von Emergency, mit sein Frau Teresa Sarti, untersuchen wir die Beziehung zwischen Nahrung, Land und Migration. In der einzigen Konferenz, die nur in italienischer Sprache zu hören ist, geht es schließlich um Lebensmittel und Agro-Mafia: Don Luigi Ciotti und Giancarlo Caselli werden von den theatralischen Intermezzi von Tiziana di Masi begleitet.

Dies mag schon viel erscheinen, doch in den 40 Foren, die dem Austausch der Delegierten dienen – und die für Publikum geöffnet werden, solange Plätze verfügbar sind –, werden noch viele weitere Themen behandelt: die Umweltauswirkungen des steigenden Fleischkonsums, Trinkwasserknappheit, die Niederschläge einer Landwirtschaft, die auf dem System der (häufig genveränderten) Monokultur basiert, die Produktketten von Kakao und Kaffee, die Welt des Öls, Rohmilchkäse… Mit dem Programm der Themenbereiche Slow Fish, Let it Bee, Indigenous und Migrantenräume kommen weitere Veranstaltungen hinzu. Essen ist Politik: Mit uns erfahren Sie, warum.

Jede Konferenz kostet 5 Euro für Slow Food Mitglieder und 7 Euro für Nichtmitglieder. Lesen Sie das Programm im Einzelnen und buchen Sie die Veranstaltung, die Sie am meisten interessiert. Für Delegierte ist der Eintritt kostenlos, muss aber an den Veranstaltungstagen gebucht werden, bis die belegte Kapazität erreicht wird.

Die Terra Madre Foren – Momente für die Begegnung und den Austausch zwischen den Delegierten von Terra Madre – sind kostenlos und für Publikum geöffnet, solange Plätze verfügbar sind. Lesen Sie das Programm und notieren Sie sich die interessantesten Termine im Kalender.

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