Biodiversität: Letzter Aufruf der Erde an die Weltbevölkerung

24 Sep 2020

Die Vereinten Nationen rufen in ihrem jüngsten Bericht zu einem radikalen Wandel auf, um die Zerstörung der natürlichen Ressourcen und den drohenden Zusammenbruch der Biodiversität aufzuhalten. Nachdem die Länder und Regierungen auf der ganzen Welt es nicht schafften, die 20 im Jahr 2010 aufgestellten Ziele zum Erhalt der Biodiversität zu erreichen – wie das negative Ergebnis des 10-Jahres-Berichts bescheinigte – ist es jetzt höchste Zeit, sich wirklich für einen Wandel einzusetzen.

Die fünfte Ausgabe des Globalen Biodiversitäts-Ausblicks (Global Biodiversity Outlook, GBO-5) – der wichtigsten Publikation der Biodiversitäts-Konvention der Vereinten Nationen (Convention on Biological Diversity, CBD) – zieht ein Fazit der Fortschritte, die die Menschheit bei der Verwirklichung der 20 globalen Ziele zum Schutz und Erhalt der biologischen Vielfalt gemacht hat. Diese Ziele waren 2010 auf der Konferenz der Vertragsparteien – der Jahrestagung der Länder, die dem UN-Klimaabkommen beigetreten sind – in Form eines weltweiten 10-Jahres-Strategieplans verabschiedet worden.

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Image credit Pixabay, from Pexels.com

„An allen Ecken und Ende der Welt passieren viele gute Dinge, die wir feiern und fördern sollten“, so Elizabeth Maruma Mrema, geschäftsführende Sekretärin des CBD. „Trotzdem gibt es einen so rapiden Verlust der Biodiversität wie nie zuvor in der Geschichte der Menschheit, und der Druck nimmt zu. Mit der Verschlechterung des Zustands der Natur geht die Ausbreitung neuer verheerender Krankheiten für Mensch und Tier einher, wie uns das Coronavirus dieses Jahr zeigte. Wir haben nur noch wenig Zeit zur Verfügung, aber die Pandemie hat uns auch bewiesen, dass grundlegende Veränderungen möglich sind, wenn es nötig ist.”

Trotz ermutigender Fortschritte in einigen Bereichen beklagen die Vereinten Nationen die mangelnde Erfüllung der 2010 gesteckten Aichi-Biodiversitäts-Ziele, von denen in den letzten zehn Jahren nur sechs teilweise erreicht wurden. Ausgehend von wissenschaftlichen Daten rufen die Vereinten Nationen die Weltgemeinschaft dazu auf, hier und jetzt zu handeln, und schlagen dazu acht unmittelbar umzusetzende Veränderungen vor, um das Wohlbefinden der Menschen und den Schutz des Planeten zu sichern.

Diese Veränderungen legen den Fokus auf die Notwendigkeit, Ökosysteme intakt zu halten und wildlebende Tiere zu schützen, sowie einen Wandel zu nachhaltigen Verfahren in der Landwirtschaft und den Lebensmittelsystemen einzuleiten, einschließlich nachhaltiger Fischerei und dem Schutz von Ozeanen und Süßwasserressourcen. Darüber hinaus sollten umweltfreundliche Lösungen im Bereich Infrastrukturen und anderen menschlichen Aktivitäten zum Einsatz kommen.

„Um die 2010 gesteckten Ziele zu erreichen, bedarf es konkreter Anstrengungen gegen die unrechtmäßige Landnahme und den Missbrauch der Ressourcen von Ökosystemen, wie natürlichen Wäldern, Meeres- und Küstenökosystemen sowie anderen Gebieten von großer Bedeutung für die biologische Vielfalt unserer Welt”, so Edie Mukiibi, Vizepräsident von Slow Food International.

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Image credit Cesar Aguilar from Pexels.com

Seit seiner Gründung sieht Slow Food den Schutz der Biodiversität als einen der Schlüsselfaktoren, um nachhaltige Modelle zur Herstellung, Verarbeitung und zum Konsum von Lebensmitteln zu fördern, die sowohl für den Menschen als auch für den Planeten gesund sind.

„Die Zivilgesellschaft hat viel dafür getan, bei den Menschen ein Bewusstsein für das Thema Biodiversität zu schaffen und den Wissensaustausch dazu zu fördern. Besonders im globalen Süden gibt es allerdings immer noch viel zu viele Konflikte zwischen dem aktiven Schutz der Biodiversität und den Zielen der Agrarindustrie. Viele Regierungen ignorieren die Warnungen von Wissenschaftlern, Organisationen und Umweltaktivisten. Es fehlt am politischen Willen, den Schutz der Biodiversität oben auf die Tagesordnung zu setzen.

Besonders massives Landgrabbing und intensive Abholzung tragen dazu bei, die Ziele zum Schutz der biologischen Vielfalt und zur Bekämpfung des Klimawandels zu beeinträchtigen: „Große Flächen von Waldland, marinen Ökosystemen, Sümpfen und Feuchtgebieten, die als Hotspots für biologische Vielfalt fungieren, werden kontinuierlich zum Anbau von Monokulturen der Agrarindustrie sowie für Bergbau- und Infrastrukturprojekte genutzt. Der kontinuierliche Ausverkauf dieser Gebiete durch die Regierungen betrifft nicht nur die Gemeinschaften, die dort seit Jahrzehnten leben und ihr Dasein auf ein harmonisches Miteinander mit diesen empfindlichen Ökosystemen basieren, sondern untergräbt auch unwiderruflich die Bemühungen der gesamten internationalen Gemeinschaft.”

Der Bericht macht auf den rapiden Rückgang aller Arten aufmerksam – von Insekten und Vögeln über Reptilien und Säugetieren bis hin zu Pflanzen. Die Vereinten Nationen erinnern daran, dass die biologische Vielfalt von grundlegender Bedeutung ist, um den Klimawandel zu bekämpfen, langfristig Ernährungssicherheit zu erreichen und unsere Gesundheit zu schützen.

„Wenn wir über Biodiversität sprechen, achtet man nicht so sehr auf die Vielfalt essbarer Spezies und wie wichtig sie als Lebensgrundlage für die lokalen Wirtschaften sind. Aus diesem Grund fällt es den Regierungen leicht, Gemeinschaften zu vertreiben und die natürlichen Ökosysteme zu zerstören, um „Entwicklungsprojekte“ mit direktem wirtschaftlichem Nutzen durchzuführen und die Umweltschäden auf dem Planeten zu ignorieren“.

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