Bledar Kola, Koch der Slow Food Chef Alliance, setzt sich für Ernährungsbildung von Kindern ein

Bledar kam als Teenager aus Albanien nach London und arbeitete sich dort in den Küchen diverser Restaurants hoch. Er lernte sein Handwerk in einigen der renommiertesten Restaurants, darunter Pied à Terre, Noma und Fäviken. Nach einer langen Zeit im Ausland kehrte er vor fast zehn Jahren mit dem Wunsch nach Hause zurück, die albanische Küche weiterzuentwickeln. Im Februar 2016 öffnete sein Restaurant Mullixhiu (Der Müller) die Pforten.

Dieses Restaurant serviert ganz im Sinne der Philosophie von Slow Food lokale und saisongerechte albanische Zutaten und verwendet außerdem fünf seltene Weizensorten, die vom Verschwinden bedroht sind. Vor Ort gibt es eine Steinmühle, in der täglich aus frischem Weizen Brot hergestellt wird, das dann im Restaurant verkauft wird. „Das Restaurant ist ganz darauf ausgerichtet, die Aufmerksamkeit der Kunden auf die Lebensmittel an sich und die vom Verschwinden bedrohten Weizensorten zu lenken” erklärt Bledar. Er fügt hinzu, dass Slow Food und das Projekt der Chef Alliance in Albanien einen sehr guten Ruf haben. „Es ist für uns eine überaus positive Erfahrung, Teil des Slow Food-Netzwerks zu sein. Wir servieren nicht nur gutes Essen, sondern sehen auch unmittelbar die soziale Wirkung, die das Konzept auf die Menschen ausübt.”

Aus Bledars Sicht fungieren Köche als wichtige Schnittstelle zwischen Produzenten und Konsumenten und sollten diese Position dazu nutzen, die Ernährungskultur in ihren örtlichen Gemeinschaften zu verbessern. Eins seiner aktuellen Projekte wurde durch die Tatsache angeregt, dass die Übergewichtigkeit bei albanischen Kindern stetig zunimmt. Oftmals schämen sich die Kinder, ein Lunchpaket von zu Hause mitzubringen und kaufen lieber ungesundes Essen in der Schule.

Bledar gründete eine Bewegung namens Buka ne Straje (Brotzeitbeutel), die dazu ermutigen soll, ein Lunchpaket von zu Hause mitzubringen. Die Bewegung wurde von einer Social Media-Kampagne unterstützt, in der berühmte Fachleute aus dem Lebensmittelbereich – darunter Carlo Petrini und Rene Redzepi – das Motto bewarben. Bledar organisierte Veranstaltungen in einem örtlichen Park, um zu zeigen, wie Eltern für ihre Kinder ein Lunchpaket zubereiten können. Außerdem kaufte er von seinen eigenen Ersparnissen einen Imbisswagen, mit dem er von einer Schule zur anderen fährt und die Kinder darüber aufklärt, wie wichtig es ist, zu Hause zu kochen und sich gesund zu ernähren. „Das ist ein kritisches Thema, das die Zukunft der Kinder zerstört, aber niemand ist sich dessen wirklich bewusst“, erklärt er.

„Als Koch in einem kleinen Land wie Albanien leiste ich auf kleiner Ebene meinen Beitrag dazu, die Dinge hier zu ändern. Das ist meine Mission: Kinder dazu zu bringen, sich gesund zu ernähren. Ich finde es wirklich besorgniserregend, wenn Kinder mit den neuesten technologischen Geräten in mein Restaurant kommen und beim Essen ständig auf den Bildschirm starren. Das ist nicht nur hier in Albanien ein großes Problem, sondern fast überall auf der Welt. Die Menschen kennen sich besser mit dem neuesten iPhone aus, als mit den heimischen Obstsorten, die es schon jahrhundertelang gibt. Nur wir Köche können das verändern. Wir müssen uns Zeit für die Ernährungsbildung von Kindern nehmen, die ohne Kenntnisse darüber aufwachsen, was sie essen.” Bledars Arbeit ist ein großartiges Beispiel für die grundlegende Rolle, die Köche dabei spielen können, positiven Einfluss auf die Ernährungskultur der Gesellschaft auszuüben.

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