5000 Produkte an Bord der Arche des Geschmacks von Slow Food

Zur Feier dieses Ereignisses wurde der Honig der Gurma aus der Region Tapoa in Burkina Faso als neuer Passagier ausgewählt

Der Honig von Tapoa, der in der gleichnamigen Region im Osten von Burkina Faso vom Stamm der Gurma hergestellt wird, ist der 5.000. Passagier auf der Arche des Geschmacks. Die Arche ist der große Online-Katalog von Slow Food für vergessene und vom Aussterben bedrohte Lebensmittel, die wichtiger Bestandteil der Kultur, Geschichte und der lokalen Traditionen jedes Orts auf der Welt sind. Sie werden in der Arche unter verschiedenen Kategorien registriert – Tierrassen, Obst, Gemüse, Eingemachtes, Käse, usw. – und sind eine einzigartige Ressource für all diejenigen, die das große Erbe der biologischen Vielfalt an Lebensmitteln wiederentdecken möchten, das der Mensch im Laufe der Jahrhunderte aufgebaut hat.

Fotogalerie: https://bit.ly/2HV9tb5

Slow Food hat diesen Honig ausgewählt, weil er ein besonders identitätsstiftendes Produkt ist, das für das indigene Volk der Gurma eine besondere Bedeutung hat. Er ist Ausdruck der Achtung und der Verbundenheit mit den jeweiligen Gemeinschaften dieser Gegend, wo am 2. und 3. Februar vergangenen Jahres von Slow Food in Ouagadougou zum zweiten Mal in Folge Terra Madre Burkina Faso organisiert wurde. Trotz der schwierigen Organisation dieser Veranstaltungen aufgrund der Bedrohung durch mögliche terroristische Angriffe beschlossen die Aktivisten vor Ort, an ihrem Vorhaben festzuhalten, um zu zeigen, dass gutes, sauberes und faires Essen auch ein Mittel zum Frieden sein kann. Die Delegierten von Slow Food reisten nicht nur aus ganz Burkina Faso, sondern auch aus Benin, von der Elfenbeinküste, aus Mali, Togo und Ghana zu dieser Veranstaltung an. Durch kulturellen und Erfahrungsaustausch trägt das Terra-Madre-Treffen dazu bei, das Netzwerk von Slow Food in Westafrika immer stärker zu machen.

Der Honig von Tapoa wurde also als 5.000. Produkt der Arche des Geschmacks gewählt, um ein deutliches Zeichen der Solidariät mit allen Bauern und Erzeugern zu setzen, die ihre Ernährungstraditionen bewahren und damit auch die landwirtschaftliche Biodiversität. Und das alles trotz der zunehmenden Probleme aufgrund von Terrorismus und politischer Instabilität, die die afrikanischen Länder betrifft. Bedeutsam ist auch, dass ein Erzeugnis der Bienen ausgewählt wurde. Die Bienen sind vermutlich das deutlichste Beispiel für die Risiken, denen wir im Zuge der zunehmenden Zerstörung des natürlichen Gleichgewichts ausgesetzt sind.

Derzeit wird die Arbeit der Gurma mit dem Honig in der Region Tapoa durch die Spenden der Stiftung „Fondazioni for Africa Burkina Faso“ und der italienischen Entwicklungsagentur (AICS) ermöglicht. Die lokalen Imker schlossen sich zum Honigerzeugerverband von Tapoa zusammen, der ein Honiggeschäft in der Provinzhauptstadt Diapaga betreibt. So wird den Erzeugern der Verkauf des Honigs zu fairen Preisen garantiert und den Verbrauchern gleichzeitig eine Qualitätsgarantie geboten. Die zunehmenden Gefahren in Zusammenhang mit der politischen Lage des Landes verlangsamen jedoch auch die Projekte in Kollaboration mit der NGO ACRA, die seit vielen Jahren mit Slow Food zusammenarbeitet und ein Projekt gestartet hat, um den Honig von Tapoa wieder aufzuwerten.

Der Honig von Tapoa

Der Honig ist ein grundlegendes Element der Tradition der Gurma: er wird zu allen traditionellen Feierlichkeiten verwendet, die das Leben der Bewohner regeln. Er ist Teil der religiösen und animistischen Riten und hat einen hohen Stellenwert in der traditionellen Medizin. In kulinarischer Hinsicht kommt er bei Rezepten wie der Boulli zum Einsatz, einem Gericht auf Getreidebasis, sowie beim Eau Blanche,  dem typischen analkoholischen Begrüßungsgetränk, das Gästen gereicht wird. Eine weitere Zubereitung mit Honig ist Dolo-miel, ein fermentiertes Getränk auf Basis von Hirse, Baobab-Mehl und Honig. Die Präsenz der Bienenart apis mellifera adansonii in einem trockenen Savannengebiet ermöglicht es, eine Vielzahl von Essenzen einzufangen, was zu hervorragendem Mischblüten- und besonders aromatischem Einzelblütenhonig führt, wie dem Karitè-, dem Tamarindenhonig und Honig aus der seltenen Spezies Daniellia Oliveri.

Arche des Geschmacks

Das Projekt der Arche entstand 1996 anlässlich des ersten Salone del Gusto in Turin. Arche-Passagiere sind Produkte, die identitätsstiftend für indigene Gemeinschaften sind, wie die australische Pflaume von Davidson, oder aber seltene Produkte, wie die wildwachsende kleine Racemosa-Kaffeesorte in Südafrika.

Der Vorschlag zur Aufnahme in den Online-Katalog www.fondazioneslowfood.com/en/ ist der erste Schritt, damit diese Produkte nicht verloren gehen. Anschließend werden die Netzwerke von Slow Food auf der ganzen Welt aktiv. Auf lokaler Ebene sind es denn auch die Mitglieder und Sympathisanten von Slow Food, die Köche, die Lebensmittelhandwerker und die Märkte der Erde, die den neuen Arche-Passagier adoptieren und Treffen mit den Herstellern organisieren, das Produkt in ihre Rezepte und Speisekarten aufnehmen und so einen virtuosen Förderkreislauf anregen, der oft auf Mundpropaganda zwischen den Gastronomen und Erfahrungsaustausch über die Verarbeitungstechniken basiert.

Wenn ein Produkt in den Katalog der Arche des Geschmacks aufgenommen wird, so ist das oft der erste Schritt zur Umsetzung von konkreten Förderprojekten. Wie die Slow Food Presidi, wo die Erzeuger mit einbezogen und Hauptakteure eines Prozesses werden, der bis heute weltweit 575 Produkten wieder zu Anerkennung verholfen und sie vor dem Verschwinden gerettet hat.

In den 22 Jahren seit ihrer Entstehung hat die Arche des Geschmacks Passagiere aus 150 Ländern aufgenommen: von der Ozette-Kartoffel der Makah aus den Vereinigten Staaten, über den Kardamom aus Itxan in Guatemala, dem Ræstur Fiskur, einem fermentierten und getrockneten Fisch von den Färöer Inseln, bis hin zum Maqaw, einem Gewürz aus den Gebirgen Taiwans, das von dem indigenem Volk der Atayal gesammelt wird.

Dank der Zusammenarbeit mit den Studenten der Universität der gastronomischen Wissenschaften von Pollenzo und dem vereinseigenen Netzwerk gibt Slow Food in den einzelnen Ländern eine Reihe von Veröffentlichungen über die Produkte der Arche des Geschmacks heraus. Dabei handelt es sich um eine flächendeckende Recherchearbeit und die Verbreitung der Informationen in den lokalen Sprachen. Bisher gibt es bereits Publikationen in Brasilien, Kenia, Mexiko und Peru.

Die Arche des Geschmacks ist eins der Projekte, mit denen sich Slow Food für den Erhalt der Biodiversität unserer Erde einsetzt.

Wer an die Arbeit von Slow Food glaubt und das Projekt unterstützen möchte, kann das durch eine Spende tun.

Ein Produkt vorschlagen können Sie unter folgendem Link.

 

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