20 Jahre Cheese

 

Wie viele treue Leser von Slow Food vielleicht schon wissen, findet vom 15. bis 18. September in Bra zum elften Mal die Cheese statt, das große Slow Food Event zum Thema Käse.

Die diesjährige Cheese ist ein besonderes Ereignis, denn wir feiern den 20. Geburtstag der Käseschau, die vor zwei Jahren, 2015, mit Rekordzahlen abschloss: 270.000 Besucher und über 300 Aussteller aus 23 Ländern. Aber es geht bei der Cheese nicht nur um Zahlen: Sie ist auch die Bühne, um starke politische Botschaften zu lancieren.

Das anspruchsvolle Thema 2017 lautet „Die Generalstände der Rohmilch“. Es wurde gewählt, weil es an einen der historischen Kämpfe unseres Vereins anschließt und weil es heute ebenso wie damals wichtig ist, von Rohmilch zu sprechen. Denn Rohmilchkäse schmecken besser, weil sie eng mit ihrem Herkunftsgebiet verbunden und weil sie Ausdruck von biologischer Vielfalt sind.

Wir kommen also auf unser Ausgangsthema zurück. Die „Generalstände der Rohmilch“ sollen der Rahmen werden, in den sich jede Initiative dieser Cheese eingliedert: die Konferenzen, der Markt, der zum ersten Mal ausschließlich Rohmilchkäse anbietet, und die große Eröffnung der Messe, in der wir allen Erzeugern, die nach Bra kommen, das Wort geben, damit sie von ihren Erfahrungen erzählen, sich über ihre Probleme auseinandersetzen und Lösungen und Zukunftsvisionen vorschlagen können.

Die „Generalstände der Rohmilch“ werden dabei von einer großen Delegation aus den USA vertreten. Die USA sind nämlich das Schwerpunktland der Cheese 2017: Rohmilchkäse aus Oregon, Vermont, Virginia und Wisconsin werden auf dem Markt, im Großen Käsesaal und in einem Geschmackserlebnis vorgestellt, es gibt aber auch eine Konferenz mit dem Titel Raw in the USA, in der die Gründer einer wahren amerikanischen Rohmilchkäse-Bewegung von ihrer Geschichte und ihren Kämpfen, den Hindernissen und Herausforderungen erzählen, mit denen sie täglich zu tun haben. Dazu gehören auch die staatlichen Vorschriften und die generell geringe Unterstützung der Öffentlichkeit für diese Art der Produktion.

Ein weiteres „heißes“ Thema, das eng mit den Rohmilchproduktionen verbunden ist, ist die „Natürlichkeit“. Sie wird in öffentlichen Konferenzen, Geschmackserlebnissen, Gesprächen zwischen Fachleuten, Erzeugern und Kennern behandelt, aber auch in einem großen Themenbereich, demfreien Raum. Denn für uns wird es immer wichtiger, über all jene Lebensmittel zu sprechen – nicht nur Käse, sondern auch Wurstwaren, Brot, Wein und Bier –, die ohne industrielle Fermente, Nitrite und Nitrate, Sulfite und selektionierte Hefe hergestellt werden: eben „frei“.

Diese Überlegung ist nicht zu unterschätzen. Kehren wir zum Käse zurück: Man muss nur wissen, dass Fermente von Natur aus in der Milch, an den Händen des Käsers, an den Eutern der Kühe, am Melkeimer, an den Holzgeräten vorhanden sind. Aber die Zeiten haben sich geändert, und das Streben nach einem hygienisch perfekten Ambiente, in dem die meisten Landwirte nicht mehr von Hand melken, das Holz häufig aus den Käsereien verbannt ist, die Milch von Leitung zu Leitung, von Stahl zu Stahl fließt, hat zu einer progressiven Verarmung der Bakterienflora geführt. Auch dies ist ein Verlust der biologischen Vielfalt, der zwar weniger auffällt, aber ebenso schwerwiegend ist.

Die Cheese bietet aber noch viel mehr: Konferenzen, Geschmackserlebnisse zu den italienischen und internationalen Käseproduktionen, zu den Themen Wein und natürliche Lebensmittel, Gespräche im Haus der biologischen Vielfalt. Seit ein paar Tagen steht eine erste, aber schon sehr umfangreiche Liste von Veranstaltungen online bereit, die auch in unserem Store gebucht werden können.

Und dann bietet die Cheese auch zahllose Gelegenheiten für Gespräche, Diskussionen und Geselligkeit! Dies ist wichtig, um über die Herausforderungen von allen zu sprechen, die trotz aller Schwierigkeiten weiter Rohmilch produzieren, um zu erkennen, wo die Welt der Kleinbauern hingeht und was wir alle tun können, um diese Arbeit bestmöglich zur Geltung zu bringen. Aber das ist noch nicht alles. Die Cheese ist auch die Chance, neue Käsesorten zu probieren und Sorten, die man schon kennt (und liebt), erneut zu genießen. Es ist die Chance, vier Tage lang im Mittelpunkt der Käsewelt zu stehen. Vier Tage, die – das können wir jetzt schon garantieren – wunderschön sein werden.

Das vollständige Veranstaltungsprogramm zum Download.

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