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Slow Fish - Good, Clean and Fair Fish
 
 

Lidér Gòngora Farìas

Ecuador | Esmeraldas | Muisne

Er kam aus Ecuador, um das Projekt der Wiederansiedlung der Mangroven im Norden des Landes (Provinz Esmeraldas) vorzustellen: Lidér Gòngora gehört zu jener Kategorie von Menschen, die an Gerechtigkeit glauben und dafür kämpfen, sie durchzusetzen. Er ist Koordinator der nationalen Umweltversammlung Ecuadors und Mitglied des Verwaltungsrats in der sozialen Bewegung des Landes, und was sofort an ihm beeindruckt, ist das herzliche Lächeln, mit dem er seine Gesprächspartner empfängt. Hier erzählt er von seinem Kampf, der auch ein bisschen unser Kampf ist.

 

“Ich komme von der Insel Muisne, die von Mangroven umgeben ist. Dort bin ich geboren, dann bin ich zum Studium weggegangen und schließlich wieder nach Hause zurückgekehrt, auf die Insel. In Ecuador sind in den letzten Jahren drei Millionen Menschen ins Ausland emigriert, um Arbeit zu suchen. Und dennoch ist mein Land reich an Ressourcen, wir haben alles und sind wenige. Aber wo ist das Geld? In Miami, in der Schweiz, überall, nur nicht in Ecuador. Die Politiker nehmen es weg. Vor Jahren habe ich beschlossen, dass ich etwas tun muss, vor allem die Kultur verbreiten, denn die Menschen sind nicht schuld, der Verbraucher weiß nicht, was los ist. Man muss Erziehungsarbeit leisten, so dass der Verbraucher selbst entscheiden kann. Denn dies ist ein Kampf von uns allen.

 

Ich arbeite an den Küsten von Ecuador mit den Fischern und den Frauen zusammen, die Mollusken und Krebse sammeln. Denn seit einiger Zeit gibt es ein Problem: Die große Shrimps-Industrie hat die Zerstörung von 70% aller Mangroven des Landes verursacht. Das ist eine Katastrophe: Sie haben nicht nur die Bäume entwurzelt, sondern ein ganze Ökosystem zerstört, das für die lokale Bevölkerung lebenswichtig ist. Am Anfang hat uns die Situation erschreckt, weil es schwer ist, es mit jemandem aufzunehmen, der politische und wirtschaftliche Macht hat, aber dennoch haben wir eine Organisation aufgebaut, die jetzt landesweit aktiv ist: die ‘Nationale Koordination für die Verteidigung der Mangrovenwälder’. Jedes Dorf hat einen kleinen Verein, aber gemeinsam, alle zusammen sind wir stark und sehr gut organisiert.

 

In dieser Organisation machen wir von allem etwas: Wir versammeln uns, um zu besprechen und zu erkennen, was unserer Meinung nach geschehen soll und wie; zum Beispiel diskutieren wir viel darüber, wie man die Abholzung bekämpfen und das Gebiet wieder bepflanzen und die Fauna (Garnelen und Fische) wieder einführen kann. Wir versuchen, konkrete Vorschläge umzusetzen, und nicht nur zu sagen, was nicht in Ordnung ist. Nein sagen, hilft wenig, wenn man dann keine alternativen Vorschläge hat. Wir machen Gesetzesvorschläge, Vorschläge für ministerielle Vereinbarungen und Regelungen. Vor Kurzem ist es uns gelungen, dass ein Artikel in die Verfassung von Ecuador aufgenommen wurde, der die Bedeutung der Mangrovenwälder zum Inhalt hat.

 

Die Shrimpsindustrie kam um 1967 nach Ecuador und dehnte sich dann auf die anderen Staaten Lateinamerikas aus. Seitdem hat sie nur Zerstörung gebracht. Vor der Ansiedlung der Zuchten bestand unser Landesgebiet aus 360.000 Hektar Mangrovenwälder, die ganze Küste Ecuadors entlang… jetzt sind davon nur noch 108.000 Hektar geblieben. 70% sind verschwunden! Diese Industrien betreffen nicht nur das Ökosystem: Auch die Menschen wurden gezwungen, ihre Heimat zu verlassen und umzuziehen.

 

Die lokale Bevölkerung arbeitet nicht für die Shrimpsindustrie, weil die Besitzer ihnen nicht trauen, sie glauben, sie würden die Shrimps stehlen, und so lassen sie Menschen aus anderen Städten kommen. Das Problem ist, dass diese Arbeitnehmer einen Lohn erhalten, der unter der Mindestgrenze des Landes liegt. Sie haben keine Versicherung und keinerlei Sicherheit. Das Essen müssen sie sich selbst beschaffen, und da sie von außerhalb kommen, müssen sie eine Wohnung mieten, um dort leben zu können. Deshalb brauchen sie den größten Teil ihres Lohns, um die Kosten zu decken. Damit wir uns recht verstehen: Ein Hektar dieser Garnelenzuchten kostet ca. $1000, um betrieben zu werden; die erste Ernte erfolgt nach vier oder fünf Monaten und bringt 25 Doppelzentner Shrimps mit je 16 Gramm hervor, und diese Shrimps werden zu $15-16 pro Kilo verkauft. Das heißt, diese Branche bringt mehr ein als Coca, ist schneller und dazu auch noch legal! Aus diesem Grunde sind alle unsere Politiker und alle, die hier bei uns wirtschaftliche Macht haben, Garnelenzüchter. Es ist schwer, gegen sie zu kämpfen, aber die Menschen haben eingesehen, dass man darüber diskutieren muss, auch um den Preis, sein Leben aufs Spiel zu setzen. Viele unserer Kameraden haben bereits ihr Leben verloren.

 

Die Mangrovenwälder schützen die Völker, die an der Küste leben. Wenn die Mangroven verschwinden, sind die Menschen gezwungen, wegzuziehen, weil bei Stürmen und Hurrikanes ganze Dörfer von den Überschwemmungen weggespült werden. Außerdem haben sie weltweite Bedeutung für die Wandervögel, die von Nordamerika migrieren und einen beträchtlichen Teil ihres Lebens in den Mangrovenwäldern im Süden verbringen. Wenn sie kommen und keine Mangroven mehr finden, sterben sie, weil sie nicht das nötige Futter finden. Auch der Fischfang hängt von diesem Ökosystem ab: Die Mangrovenwälder bieten Jungfischen und Krebsen Schutz vor Raubtieren. Es sind geschützte Orte, an denen die Eier abgelegt werden können. Die Mangrovenwälder stellen 1% der Wälder auf der ganzen Welt dar, und nach den jüngsten Daten der FAO wurde bereits 50% von diesem 1% zerstört. Wir erleben eine wahre Katastrophe auf unserem Planeten.

 

Es ist schön, zur Slow Fish zu kommen und über die Probleme sprechen zu können. Hoffen wir, dass die Menschen so den Schaden einsehen, der hier entsteht. Wir müssen wenigens einen Teil von dieser Zerstörung aufhalten. die Industrien kümmern sich um nichts, sie holzen Hektar um Hektar ab. Wir fordern von den Politikern, uns unser Land zu lassen, denn hier ist unsere Geschichte, unsere Kultur. Die Menschen in Ecuador und in der ganze Welt müssen das erfahren.”



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