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Slow Fish - Good, Clean and Fair Fish
 
 

Gudrun Palsdottir

Traditionen am Leben halten und stolz darauf sein

Iceland | Westfjords | Flateyri

"Ich komme aus den Westfjorden in Island, wo sich alles um Fisch und ums Meer dreht. Als ich jung war, gab es nicht viele andere Arbeitsmöglichkeiten. In der Hochsaison halfen fast alle Kinder beim Fischfang mit, und so habe ich auch angefangen. Als Jugendliche arbeitete ich dann weiter in den Fischereien meiner Heimatstadt und in Bereichen, die mit dem Fischfang zu tun haben. Ich hatte also mein ganzes Leben lang eine enge Verbindung zum Meer und zur Fischerei und arbeite jetzt seit über 30 Jahren in diesem Bereich.


Wir sind uns alle bewusst, dass das Meer und seine Schätze ein wesentlicher Standortfaktor für Island sind und dass wir daher gut auf unsere Meereslandschaft achtgeben müssen. Nachhaltige Fischerei und eine Kontrolle der Fischbestände sind extrem wichtig für die Isländer.


Ich wirke an einem Projekt mit, um ein kleines Museum über die Geschichte des isländischen Stockfischs bei Flateyri in den Westfjorden aufzubauen, wo ich auch ein Familienunternehmen führe. Mein Mann und zwei unserer Kinder arbeiten in dem Betrieb mit und auch unsere Enkel sind nicht weit entfernt. Wir besitzen ein kleines Boot und haben eine einfache Anlage zur Verarbeitung des Fangs aufgebaut, hauptsächlich Schellfisch und Wels. Wir produzieren traditionell getrockneten Stockfisch, der in Island harðfiskur geannt wird, das bedeutet Hartfisch. Meine Kinder kümmern sich um den Fischfang, mein Mann um die Verarbeitung. Früher war ich selbst stärker involviert, heute übernehme ich meist administrative Aufgaben: ich mache die Buchhaltung und das Marketing für Übersee und organisiere den Vertrieb unserer Produkte. Wir stellen auch regelmäßig Leute an, die uns beim Ködern und bei der Verarbeitung helfen. Unsere Produkte verkaufen wir an Lebensmittelgeschäfte, Märkte und Restaurants, ein Großteil wird direkt von Endverbrauchern abgenommen.


Für den Fischfang benutzen wir ausschließlich Langleinen. Das ist eine umweltfreundliche und nachhaltige Fischfangmethode, die keine Gefahr für Seevögel darstellt und den Meeresboden nicht beschädigt. Wir bringen den gesamten Fang an Land und verarbeiten den Beifang in nahegelegenen Fischereien. Wir haben uns für Fischfang in kleinem Stil entschieden, weil wir das verlässlicher finden. Es lässt dir letztlich mehr Freiheit und ist auch umweltschonender. Wir sind uns im Klaren darüber, welches Potential und welche Begrenzungen unsere Gegend hat.

 

Unser Geschäft ist stark saisonabhängig. Einige Monate sind hektisch, z.B. Januar und Februar, weil dann in ganz Island die traditionellen Essensfestivals stattfinden. Da sind unsere Produkte sehr gefragt. Die Sommermonate sind auch noch voll, aber im September und Oktober kommen wir dann etwas zur Ruhe.

 

Wir wohnen schon unser ganzes Leben lang in Flateyri, hier kennt jeder jeden. Wir sind wie eine große Familie. Unser Unternehmen steht allen Besuchern offen und manchmal kommen uns Studenten aus Reykjavik oder anderen Städten besuchen.

 

In den meisten Orten der Westfjorde, so auch in Flateyri, sind Fischfang und -verarbeitung das Rückgrat der Gesellschaft. Der Beitrag der Fischersleute zur Kultur ist hier sehr wichtig, nicht nur in puncto Nahrung, sondern auch hinsichtlich der Lebensart.

 

Ich bin wirklich stolz auf meine Arbeit. Ich unterstütze nicht nur meine Familie, sondern halte auch eine ganz besondere Essenstradition am Leben. Ich sehe es als großes Glück an, so einen tollen Beruf zu haben und ein bedeutungsvolles Leben zu führen. Ich habe nicht das Gefühl, irgendetwas dafür zu opfern.

 

Ich war auch Abgeordnete des Weltforums für Fischer & Fischereiarbeiter (World Forum of Fish Harvesters & Fish Workers, WFF), einer internationalen Organisation, die kleine handwerkliche Fischereibetriebe und -arbeiter zusammenbringt und sich für deren Rechte einsetzt.

 

Die Tatsache, dass die meisten Fischbestände übermäßig ausgebeutet werden und die marinen Ökosysteme der Welt durch zunehmende Verschmutzung ernsthaft bedroht sind, macht mir große Sorgen. Es ist nicht einfach, diese Themen in Angriff zu nehmen, aber, um es mit den Worten vom WFF zu sagen, müssen wir „ein Verständnis dafür schaffen, dass die Ressourcen ein gemeinsames Erbe der Menschheit sind. Wir müssen daher durch nachhaltigen Fischfang, sowie Methoden zur Erhaltung und Regenerierung der marinen Ökosysteme und inländischen Ressourcen sicherstellen, dass dieses Erbe auch an die zukünftigen Generationen weitergegeben wird."


Ich bin der Meinung, dass die Fischer durch ihr Wissen und ihre praktischen Erfahrungen einen essentiellen Beitrag zur Lösung der Probleme leisten können. Alle Fischer sollten Verantwortung übernehmen. Ich selbst versuche das auch zu tun, indem ich Essenstraditionen am Leben halte und in kleinen handwerklichen Fischereiorganisationen mitwirke. Darüber hinaus setze ich mich auch dafür ein, den nachhaltigen gastronomischen Tourismus in den Westfjorden zu fördern."

 



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  Gudrun Palsdottir Gudrun Palsdottir  
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