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Slow Fish - Good, Clean and Fair Fish
 
 

Fisch vom Kutter

SMS und frischer Fisch

Germany | Schleswig-Holstein | Stein

Uwe Sturm ist Mitglied eines Bürgervereins, der sich mit lokaler Gastronomie und Ernährung beschäftigt. Die Kultur und die Lebensart der Bewohner hier an der Ostseeküste sind vom Meer und vom Fischfang geprägt. Aber wie auch andernorts haben die hiesigen Kleinfischer Probleme, sich mit den Erlösen aus dem Fischverkauf über Wasser zu halten.

 

Der Verein setzt beim Problem der Entfernung zwischen dem Angebot der Fischer und der Nachfrage potenzieller Kunden an und hat eine clevere Methode konzipiert, um diese Entfernung zu überbrücken. Auf der Internetseite des Projekts „Fisch vom Kutter" kann man sehen, was die einzelnen Fischer jeden Morgen an Land bringen und an welchem Hafen. Das System funktioniert über eine webbasierte Software und Textnachrichten, die die Fischer nachts, während sie noch auf See sind, direkt an das System versenden. Auf diese Art können die Abnehmer, sei es Restaurants oder Privatkunden, das Angebot einsehen und den Fisch fangfrisch vom Kutter kaufen. Die unschlagbare Frische ist für die Kunden ein überzeugendes Verkaufsargument und gleichzeitig können die Fischer ihre Erlöse optimieren, indem sie auf Zwischenhändler verzichten.

 

Seit Beginn des Projekts vor zwölf Monaten hat sich die Zahl der mitwirkenden Fischer auf 17 erhöht. Einige haben ihre gesamte Geschäftstätigkeit auf diese Art von Direktverkauf verlagert und können so oft den gesamten Fischfang eines Tages absetzen. An dem Projekt nehmen Fischer aus verschiedenen Häfen teil, sogar aus Dänemark und Schweden. Sie arbeiten alleine oder mit ihrer Familie allesamt auf kleinen Kuttern.

 

Das Projekt wurde mit Hilfe von Fördermitteln der EU für die ländliche Entwicklung geschaffen und läuft dank der Unterstützung von ehrenamtlichen Mitarbeitern des Vereins. Die Fischer zahlen nur einen Jahresbeitrag von 15 €, der die technischen Kosten deckt. Anfangs bestand der Verein aus Studenten, Meeresbiologen, anderen Fachleuten und Frauen aus den ländlichen Gebieten, aber es fehlten die Fischer. Heute hingegen sind auch viele von ihnen mit im Boot.


Uwe ist besonders froh darüber, dass die Fischer im Rahmen des Projekts gemeinschaftlich und ohne Wettbewerb an einer Initiative zusammenarbeiten, die allen Vorteile bringt. „Inzwischen telefonieren sie sogar miteinander und tauschen gegenseitig ihren Fisch aus, wenn einer mal schneller verkauft", erzählt er lächelnd. Uwe ist der technische Verantwortliche des Projekts und kümmert sich um die Internetseite, wenn er nicht seiner Hauptbeschäftigung bei der lokalen Radiostation nachgeht. Ist das schwierig? „Nicht besonders", meint er, „inzwischen läuft es fast von selbst. Wir haben uns selbst über den Riesenerfolg des Projekts gewundert." Jeden Monat nutzen 15.000 bis 20.000 Personen aktiv das Angebot der Internetseite.

 

Das Projekt hat auch das Interesse der lokalen Behörden auf sich gezogen, da es nicht nur die Fischereiwirtschaft unterstützt, sondern auch viele Tagestouristen in die Hafengebiete zieht. Die Fischer haben aufgrund von weniger Druck, garantierten Abverkäufen und höheren Verkaufserlösen auch mehr Motivation, mit nachhaltigen Methoden zu arbeiten, bestätigt Uwe.

 

„Der Verein hat sich das Ziel gesetzt, die regionale Kultur am Leben zu halten, aber nicht als reine Folklore", so Uwe weiter. „Wir möchten zeigen, dass die Fischerei hier lebendig ist. Die Fischer sind weder notleidend, noch warten sie tatenlos auf Unterstützung. Ganz im Gegenteil, sie haben etwas anzubieten und unser Projekt hilft ihnen dabei, die Informationen darüber zu verbreiten." Die Kombination von Fähigkeiten, traditionellen Kenntnissen und neuen Technologien ist auch aus einem anderen Gesichtspunkt interessant, sie bietet nämlich für die jungen Leute Chancen und Möglichkeiten. Wie die Landwirtschaft hat auch die Fischerei als Berufszweig mit Nachwuchsmangel zu kämpfen. Seit Beginn des Projekts ist jedoch auch bei den jungen Leuten der Region wieder das Interesse gestiegen, diesen Beruf zu erlernen.

 

Die Arbeit des Vereins hat Synergieeffekte zwischen Gruppen geschaffen, die vormals nicht eng zusammen oder sogar gegeneinander gearbeitet haben, wie Fischer und Meeresbiologen. Seit sie miteinander kommunizieren, haben sie bemerkt, dass sie das gleiche Ziel verfolgen: die Bewahrung der Fischbestände, der Ökosysteme der Region und der lokalen Kultur.

 

http://fischvomkutter.de/

 

 

 



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