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Slow Fish - Good, Clean and Fair Fish
 
 

Arthur Bogason

Mein ganzes Leben dreht sich um den Fischfang

Iceland

Der isländische Fischer Arthur Bogason ist Vorsitzender des Icelandic National Association of Small Boat Owners und diskutiert über die Rolle der Kleinfischer für den Schutz der ökologischen und sozialen Systeme.

"Die früheste Erinnerung, die ich von mir habe, ist, dass ich einen wunderbaren Fisch beobachte, der im Meer schwimmt. Ich glaube, das ist der Grund, weshalb ich Fischer geworden bin. Ich bin immer wieder erstaunt von der Macht, der Schönheit und gleichzeitig auch Gewalt des Ozeans.

 

Ich bin mit 25 Jahren Berufsfischer geworden. Jetzt bin ich 56, aber seit 1995 bin ich auch Vorsitzender eines Vereins. Im gleichen Jahr, 1995, entbrannte in Island ein heftiger Streit um die Bewirtschaftung der Fischerei und ich wollte etwas tun. So beschloss ich, einen Verein von kleinen Bootsbesitzern zu gründen und sie zu vertreten. Heute ist dies meine Hauptbeschäftigung. Wenn die Arbeit auch eine große Passion ist, ist es einfach und ganz natürlich, Privat- und Berufsleben zu vereinen, dann gibt es keine klare Trennung.

 

In meiner Freizeit lese ich Bücher über Fischerei und im Sommer widme ich mich der Sportfischerei. Ich fange auch Lachs mit der Methode des Fliegenfischens und bin Vorsitzender eines Sportfischerclubs. Obwohl meine Hauptbeschäftigung heute die Leitung des Vereins ist, ist es klar, dass ich nie auf das Fischen verzichtet habe! Ich habe nur meine Lizenz in eine für einen professionellen Sportfischer im Sommer umgewandelt.


Mein ganzes Leben dreht sich um die Fischerei, und es gibt nichts, was mir mehr Erfüllung verleiht. Ansonsten ist die Frage der Umwelteinflüsse dieser Tätigkeit sehr wichtig in dem Verein, den ich leite. Ich interessiere mich auch immer mehr für die Nachhaltigkeit und bin 1997 dem World Forum of Fish Harvesters and Fish Workers (WWF) eingetreten. Und 1999 bin ich schließlich auch Mitglied in der Responsible Fishing Alliance geworden, die eingerichtet wurde, um das Engagement und die Arbeit der Fischer im Nordatlantik zu koordinieren. Meine Beziehung zum Ökosystem ist das eines engagierten, interessierten und aktiven Menschen.


Mein Alltag heute sieht wie ein Bürojob aus: Ich beantworte Telefonate und E-Mails, nehme an Sitzungen teil, schreibe Artikel für die Website und so weiter. Das gilt für die meiste Zeit des Jahres, aber im Sommer ist es anders. Wenn ich fischen gehe, stehe ich um 3 oder 4 Uhr morgens auf, gehe um 5 oder 6 los und verbringe rund 10-12 Stunden auf See. Es gibt nichts, was ich lieber tue. Aber die größte Befriedigung heute sind natürlich die Ergebnisse, die ich als Vorsitzender erreiche und die den lokalen Fischern ein besseres Leben und bessere Arbeitsbedingungen garantieren. Das ist kein Opfer, es ist eine persönliche Entscheidung, und es genügt mir, nur im Sommer zu fischen.


Ich praktiziere das Jiggen mit einer Ausrüstung, die mit einem Monofilvorfach an den Köder gebunden ist. Der künstliche Köder ist mit einem Sensor ausgestattet, der die Daten an einen Kontrollcomputer an Bord sendet. Wenn ein Fisch anbeißt, stellt der Sensor dies fest und zieht den Köder ein. Ich kann sogar entscheiden, wie viele Fische ich fangen will, bevor der Köder wieder an Bord geholt wird, man muss nur den Computer programmieren.

Was die Qualität meines Fangs und die von allen Fischern im Verein angeht, kann ich sagen, dass wir den Fisch äußerst sorgfältig behandeln. Wir nehmen ihn aus, frieren ihn ein und er ist immer ganz frisch. Unser Geheimnis ist die Verbindung zwischen uraltem Wissen und Können und den modernsten Ausrüstungen; es ist nicht Schlimmes dabei, wenn man die Vorteile der Technologie nutzt. Wenn wir von Nachhaltigkeit sprechen, gebe ich zu, dass ich dieses Wort nicht sehr liebe. Ich glaube, es besteht große Unkenntnis und zu wenig Informationen über die Fischerei.

Ich persönlich würde den Begriff „Nachhaltigkeit" in Verbindung mit „Fischerei" abschaffen, und der Grund ist sehr einfach: Er ist irreführend. Ich würde eher von „verantwortlicher" Fischerei sprechen: Ich meine damit eine verantwortungsbewusste Entscheidung für Ausrüstungen und die Verwendung von kleinen Schiffen, die weniger Kraftstoff verbrauchen. Aber auch der soziale Standpunkt gehört dazu: eine Fischerei, die Arbeit und Beschäftigung für die lokale Gemeinschaft bietet.

Die Kleinfischer sind ein wichtiger Teil in der Kultur meiner Gemeinschaft, aber auch „Tradition" ist ein etwas zwiespältiger Begriff, der ohne genaue Definition überall gelten kann. Das gleiche gilt für den Begriff „Kleinfischer". Ich meine, die Rolle und die Merkmale eines Kleinfischers sollte einzeln für jedes Land je nach den Traditionen des Ortes und der Gemeinschaft definiert werden.

Die Fischer des Vereins verkaufen fast den ganzen Fang auf der Auktion. Wer den Fisch kauft, stellt sicher, dass er schnell an die Märkte und Restaurants in Europa und Nordamerika gelangt. Der Fisch wird normalerweise frisch filettiert, dann tiefgekühlt und per Flugzeug verschickt. Auf diesen Märkten kann man den besten Preis für das Produkt erzielen, und das ist heute wesentlich, um weiter im Geschäft zu bleiben. Der Hauptunterschied zwischen der Klein- und der Industriefischerei besteht darin, dass die Erste viel stärker mit den sozialen Aspekten verbunden ist, wie dem Leben der kleinen Küstengemeinschaften.

Im Gegensatz dazu verändert die Letztere das soziale Gefüge und erzeugt Probleme wie Arbeitslosigkeit und Alkoholismus. Kleinfischer wissen gar nicht, was es bedeutet, nicht nachhaltig zu sein: Das verantwortliche Fischen ist ihre natürliche Handlungsweise. Deshalb habe ich mich für die handwerklichen Methoden entschieden: wegen der gemeinsamen Werte und Standpunkte.

Es gibt viele Probleme und die Situation der Ozeane ist deprimierend, aber ich glaube stark an die Fähigkeiten der menschlichen Rasse. Ich bin Optimist und bin sicher, dass wir früher oder später den Weg finden, die Früchte der Natur zu ernten und sie gleichzeitig zu schützen. Die Qualität der Lebensmittel hat sich - ebenso wie die der Bildung - im Laufe der Geschichte ständig verbessert. Ich bin überzeugt, dass die Zukunft positiv ist. Wir alle wollen das Beste für unsere Kinder. Mein persönliches Lebensziel ist, mein Bestes zu geben, um Wissen und Können an alle, die es lernen wollen, zu vermitteln, um unsere Praktiken zu verbessern. Ich bin nichts anderes als ein Teil in dieser großen Teamarbeit.

 

Arthur Bogason
arthur@smabatar.is

 

 

 



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  Arthur Bogason  
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