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Slow Fish @ Terra Madre 2012: Zero Draft für Leitlinien der FAO


08/12/12

Autor: Tanya Gervasi, Journalistin und Absolventin der Universität der gastronomischen Wissenschaften (www.unisg.it)

 

Die „Kleinfischerei" hat auch die Aufmerksamkeit der FAO (Food and Agricolture Organization) auf sich gezogen: Sie hat beschlossen, „Leitlinien, um die nachhaltige Kleinfischerei zu sichern" herauszugeben, die 2014 den Regierungen von 191 Ländern vorgelegt werden sollen. Anlässlich von Salone del Gusto und Terra Madre (Turin, 25.-29. Oktober) wurde der Zero Draft (der erste Entwurf des Dokuments) dem Netzwerk Slow Fish vorgestellt und bot die Chance, über einige der wichtigsten Punkte mit den direkt Betroffenen zu diskutieren.

 

Die größte Erwartung ist, dass die Regierungen diese Leitlinien bedenken und wenigstens zum Teil ihre Innenpolitik ändern, um auch die Ausgegrenzten zu berücksichtigen, nämlich jene Fischergemeinschaften, von denen nie gesprochen wird und die niemand wirklich schützt. „Es ist notwendig, der Öffentlichkeit die Bedeutung der Kleinfischer zu vermitteln, nicht nur vom sozioökonomischen Standpunkt. Sie haben keine Vertretung und werden nicht geschützt", sagt Lena Westlund, Beraterin der FAO. Leider erklären die Regierungen zwar häufig, auf der Seite der Kleinen zu stehen, sie in ihre Entwicklungspolitik aufzunehmen, aber die Versprechungen sind fast nie von Tatsachen begleitet, im Gegenteil, wie die holländische Fischerin Barbara Rodenburg bezeugt, werden „den kleinen Fischergemeinschaften jedes Jahr weitere Gebiete entzogen und neue Sanktionen eingeführt".

 

Ein wesentlicher Punkt der Leitlinien sind politische Maßnahmen zur Umwelterziehung mit der Verpflichtung, die lokaltypischen, traditionellen Techniken und Methoden zu valorisieren, um eine gesunde Entwicklung der Gemeinschaft zu ermöglichen. Dazu erzählt Seynabou Ndoye, die zusammen mit anderen Frauen in der Fischverarbeitung in Senegal arbeitet, dass in ihrem Land die Fischer zum größten Teil Analphabeten sind und normalerweise der Familientradition folgen. Dies ist ein großes Problem, denn da sie aufgrund der fehlenden Infrastruktur über keine Ausbildung verfügen, werden sie leicht Opfer der Ausbeutung durch Großunternehmer. Außerdem würde es das Alltagsleben der Frauen erleichtern, wenn Orte eingerichtet werden, wo sie während der Arbeitszeit die Kinder lassen können. In einigen Gebieten sind die Frauen schon sehr jung gezwungen zu arbeiten.

 

Seth Macinko, Professor an der Universität Rhode Island, betonte, wie wichtig es ist, die richtige Terminologie in dieser Art von Dokumenten zu verwenden. Wenn man von Rechten spricht, muss ausgeführt werden, um welche Rechte es sich handelt.


Ein weiterer Punkt in den Leitlinien ist die Wertkette; die Verteilung ist in der Tat ein gemeinsames Problem in allen kleinen Fischergemeinschaften. Sie haben nicht nur die Schwierigkeit, ihren Fang direkt zu verkaufen, sondern sehen auch ihre Arbeit in keiner Weise anerkannt: Weder die Etiketten noch Zertifikate geben die wahre Herkunft des Fisches an. Die Leitlinien müssen die Bedeutung von jedem Einzelnen in der Wertkette anerkennen. Wenn man die Meeressituation verbessern will, ist es wesentlich, dass die kleinen Fischergemeinschaften die direkte Kontrolle über ihre Produktion durch die ganze Kette hindurch erhalten und dass lokal ihre Rechte anerkannt werden.

 

Zum Aspekt der Entwicklung der Gemeinschaften machte Alain le Sann darauf aufmerksam, dass bei Umweltproblemen häufig die Schwächsten mit der ganzen Verantwortung belastet werden. Im Falle der Kleinfischerei ist es lebenswichtig, alle Elemente einzubeziehen, also auch die Entwicklung auf der Erde, denn diese hat einen direkten Einfluss auf die Meere. Man muss auch bedenken, dass die Fischerei nicht nur die Fischer selbst, sondern auch die Bootsbauer und Netzflicker, um nur einige zu nennen, sowie ihre Familien betrifft.

 

Auf der anderen Seite ist Lidér Gòngora Farìas aus Ecuador, der an einem Gemeinschaftsprojekt für die Wiederansiedlung der Mangroven im Nord des Landes arbeitet, der Ansicht, dass die Sprache in diesen Dokumenten nicht für die Öffentlichkeit geeignet ist, die man ansprechen will, weil sie zu technisch und zu intellektuell ist. Statt der Initiativen von oben sollten sich nach Lidérs Vorschlag eher die Fischer und Sammler organisieren, um Forderungen direkt und ohne Vermittlung der großen Institutionen vorzubringen, denn diese können die Beteiligung der Basis nicht wirklich garantieren.

 

Es sei immer sehr schwierig, mit so verschiedenen Gesprächspartnern bei diesen länderübergreifenden Themen über Rechte, Gerechtigkeit und Werte zu sprechen, äußert Nicole Franz, Sekretärin des Programms für die Leitlinien zur Kleinfischerei. Dazu hat die FAO ein allgemeines Dokument erarbeitet und versucht, alles einzubeziehen, was die nationalen Regierungen bei ihrer Umsetzung der politischen Reformen berücksichtigen sollten. Leider bleiben es nur Vorschläge, denn die Entscheidung liegt bei den einzelnen Staaten. Dennoch ist es sicher ein Schritt nach vorn, und es besteht Hoffnung, dass sie bei einem konstanten Engagement Gehör finden.

 



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