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Slow Fish @ Terra Madre 2012: Bei Fischereirechten nicht im Trüben fischen


03/12/12

Autor: Tanya Gervasi, Journalistin und Absolventin der Universität der gastronomischen Wissenschaften (www.unisg.it)

 

Wenn wir vom Recht auf Fischfang, von Fischerbündnissen oder auch von Nachhaltigkeit sprechen, was meinen wir damit genau? Diese Begriffe standen im Mittelpunkt bei einem Workshop im Bereich der Kampagne Slow Fish während des Salone del Gusto und Terra Madre (Turin, 25.-29. Oktober 2012).

 

Seth Macinko, Professor an der Universität Rhode Island, versuchte nachzuweisen, wie scheinbar einfache Begriffe komplexe Bedeutungen verbergen können und gerade ihre Einfachheit manchmal zu Missverständnissen führen kann. Er wandte sich an die Fischer und gab zu bedenken: „Viele von Euch verwenden diese Begriffe so, dass sie manipuliert werden können; mit anderen Worten, Eure Ideen können von anderen übernommen und zu ihren Gunsten verdreht werden". Es ist schwer, sich klar zu werden, dass die Fischereipolitik in eine andere Richtung geht als von den Fischern gewünscht wird, wenn sie dieselbe Sprache verwendet.

 

Nehmen wir zum Beispiel den Begriff Gemeinschaft der Fischer. Häufig, wenn die Großindustrie oder die großen Lobbys von Hilfen für die Fischergemeinschaften sprechen, richten sie sich an die „Besitzer der Boote, denen einige Rechte zugestanden werden sollen". Mit dieser Auffassung des Begriffs Gemeinschaft vernachlässigen sie viele Aspekte und Akteure, so zum Beispiel die Frauen und alle, die sich mit der Verarbeitung und dem Handel beschäftigen, aber auch andere Menschen, die zwar nicht im Fischfang arbeiten, deren Leben jedoch an die Fischereitätigkeit ihrer Gemeinschaft, ihres Dorfes gebunden ist. Die Komplexität liegt darin, den Begriff Gemeinschaft oder Bündnis im weiteren Sinne zu verwenden, also für eine Gruppe von Menschen die an einem Ort ein gemeinsames Schicksal teilen.

 

Oder wenn man von Fischereirechten spricht, welche Art Recht ist dann gemeint? Menschenrechte? Recht auf Ernährung? Eigentumsrechte? „Auf der Ebene der Politik und der Rechte", so Seth Macinko, „erleben wir, dass sich ein Modell für die Privatisierung des Fischfangs ausbreitet, das eine Minderheit bevorteilt, indem es ihr - häufig gratis - das Recht auf Ausbeutung einer öffentlichen Ressource zubilligt und zulässt, dass diese Rechte in die Systeme der Finanzspekulation eingehen".

 

Tasha Sutcliffe, stellvertretende Vorsitzende von Ecotrust Canada, führt aus, dass „die Privatisierung der Rechte ein Problem ist, das durch die Übertragbarkeit der Fangquoten verursacht wurde: Man muss kein Fischer sein, um sie zu erwerben, sondern muss viel Geld haben". So erwerben große Körperschaften mit leichtem Zugang zu Kapital die Fanglizenzen, und die Kleinfischer sind dann gezwungen, für diese zu arbeiten, wobei sie ihre Autorität und die Souveränität über ihr Gebiet verlieren. Da viele Gemeinschaften nur dank der Fischereitätigkeit überleben, ist es schwer für die Fischer, diesen Kompromiss abzulehnen, denn er bietet ihnen eine zwar minimale, aber unerlässliche Einkommensquelle. Es ist zweifelsfrei eine gelinde gesagt „eigenwillige" Interpretation von Fischereirecht, um nicht zu sagen ein katastrophaler Ansatz, der den kleinen Fischerbündnissen Macht entzieht und ihnen nur die Reste überlässt.

 

Jeremy Brown, Fischer aus Alaska, präsentiert dazu eine Möglichkeit, um mit diesem Modell zu koexistieren, das längst in aller Welt Fuß fasst: Man solle die Regelung einhalten, dass derjenige, der die Lizenz erwirbt, auch der ist, der dann mit dem Schiff hinausfährt. In Alaska funktioniert es so, und es ist eine Möglichkeit, um Spekulation mindestens teilweise zu begrenzen.

 

Auch die Wall Street hat ihre „humanitäre Mission" mit dem Projekt der Mission Markets vorgestellt: Sie will kleinen Fischergemeinschaften helfen, indem sie ihre Rechte kauft und sie ihnen „zu niedrigeren Preisen als denen des Marktes verpachtet". Eigentlich ein Widerspruch, denn er lässt den Fischern auch so keine Freiheit und Verhandlungsmacht.

 

Diese Begriffe von Fischereirechten und Fischergemeinschaften werden immer kombiniert mit dem der Nachhaltigkeit, als sei die Nachhaltigkeit ein automatisches Ergebnis der Vergabe von Rechten an Private, seien sie Fischer oder nicht.

 

Ohne Zweifel muss man die Begriffe neu definieren, wenn man in der Diskussion vorankommen will. Jetzt ist der Moment gekommen, die Stimme zu erheben und zu bekunden, welche Fischereirechte man erhalten will, was es bedeutet, eine Fischergemeinschaft zu sein, und vor allem, was man „nachhaltig erhalten" möchte. Nicht nur die Fischerei-, sondern auch die Landwirtschaftspolitik denkt nur daran, die Welt zu ernähren, ohne an die lokale Ebene zu denken. Daher ist es unbedingt notwendig, dass die Gemeinschaften die Kontrolle über ihr Geschick und über ihre Gebiete wieder selbst in die Hand nehmen.

 

 



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