Slow Food
   

Über 1.000 Events zum Terra Madre Day 2010


Italy - 10 Dec 10

Mit 1146 Veranstaltungen in 124 Ländern wird der Terra Madre Day in diesen Stunden in allen Ecken der Welt gefeiert, organisiert von den Mitgliedern des Netzwerks von Slow Food und Terra Madre. Von Neuseeland bis Nord- und Südamerika kommen Mitglieder, Produzenten der Presidi, Lebensmittelbündnisse, Köche, Akademiker, die Nachwuchsgeneration und Musiker zu einem Gemeinschaftsevent auf globaler Ebene zusammen, um gute, saubere und faire lokale Lebensmittel zu feiern. Dieser Erfolg steigert den bereits aufregenden ersten Terra Madre Day 2009 der gleichzeitig auch der 20. Jahrestag von Slow Food war, und 1028 Initiativen in 118 Ländern verzeichnete.

Ziel des Terra Madre Day in diesem Jahr ist, Fonds zu sammeln, um 1.000 Gärten in Afrika realisieren zu können: in Schulen, Dörfern, an Stadträndern… Die Gärten von Terra Madre werden direkt von den Bündnissen geleitet und mit nachhaltigen Techniken mit lokalen Sorten bepflanzt. Die Idee ist nicht neu, sondern geht von zahlreichen (landwirtschaftlichen und pädagogischen) Erfahrungen aus (z.B. Kenia, Uganda, Elfenbeinküste, Mali, Marokko, Äthiopien, Senegal, Tansania).

Die Slow Food Stiftung für biologische Vielfalt verwaltet die Spenden und koordiniert die Aktivitäten in Afrika. Wenn Sie zur Umsetzung des Projekts beitragen wollen, schreiben Sie bitte an: ortiafrica@terramadre.org

Hier einige Beispiele, wie die Lebensmittelbündnisse den Terra Madre Day 2010 feiern:

In Neuseeland feiert das Bündnis der Maori-Biobauern aus Aotearoa ihr gastronomisches Erbe mit einer Woche von Treffen und Debatten, um über Terra Madre und Slow Food zu sprechen. Sie wird in Zusammenarbeit mit dem Ngati Hine Health Trust organisiert. Am 10. Dezember finden in Kawakawa und Whangarei im Norden der Halbinsel zwei Essen mit dem Titel Ata Haere (Go Slowly) statt, um einen besseren Lebens- und Ernährungsstil zu fördern. Die Teilnehmer bereiten ihre Lieblingsgerichte mit Zutaten aus dem lokalen biologischen Anbau zu und genießen sie dann gemeinsam mit Familie, Freunden und der Gemeinschaft. Zu den Produkten der Maori-Biobauern aus Aotearoa gehören Peruperu (Maori-Kartoffel), sieben Sorten Kumara (Süßkartoffel), andere essbare Wurzeln und Obst wie Orangen, Mandarinen, Kiwi, Feijoa (Ananas-Guave), aber auch Rinderzüchter gehören zum Bündnis. Bei der Produktion werden die traditionellen Kenntnisse der Maori-Bauern praktiziert, die von den Tupuna (Vorfahren) überliefert wurden.

In allen Balkanländern wird das Manifest über Lebensmittel, biologische Vielfalt und das kulturelle Erbe der Bauern vorgestellt, das vom Netzwerk Terra Madre Balkan beim ersten Regionaltreffen im Juli 2010 verfasst wurde. Das Manifest richtet die Aufmerksamkeit der Zivilgesellschaft, der Institutionen und der Unternehmenswelt auf die Dringlichkeit, das ländliche Erbe zu schützen. Das Dokument wird allen wichtigen Institutionen in allen Balkanländern vorgelegt.
In Bulgarien wird das Manifest am 11. Dezember den Journalisten präsentiert. Am gleichen Tag findet der erste Weihnachtsmarkt statt, den Slow Food Bulgarien im Museum für Landesgeschichte in Sofia mit nachhaltigen Lebensmitteln und anderen Produkten veranstaltet. Kinder der Georgi-Benkovski-Schule in Cherni Vit und der Petko-Karavelov-Schule in Sofia treten in einem musikalischen Programm auf, das sie zum Terra Madre Day vorbereitet haben. Außerdem backen sie für die Besucher Weihnachtsgebäck und basteln Weihnachtskarten. Die Spenden werden für die nächsten Aktivitäten verwendet, die Slow Food in den beiden Schulen organisiert.

Die Gemeinschaft der Samen arbeitet seit 2003 mit Slow Food zusammen, als das Presidio für Suovas (getrocknetes, geräuchertes Rentierfilet) gegründet wurde. Aus dieser Zusammenarbeit entstand das erste interregionale Convivium, Slow Food Sápmi, das heute rund hundert Mitglieder aus Schweden und Norwegen vereint und hofft, in Zukunft auch Interessierte aus Finnland und von der Halbinsel Kola einzubeziehen. In Jokkmokk (Schweden) wird der Terra Madre Day mit Menüs aus samischen Produkten, Konferenzen und der traditionellen Joik-Musik gefeiert.

In Uganda organisiert Slow Food Mukono die Veranstaltung Living Locally, Eating Locally, um das Projekt Tausend Gärten in Afrika zu verbreiten. Es ist ein Tag der offenen Tür im Schulgarten der Buiga Sunrise Pre-School, bei dem Eltern und ältere Bauern eingeladen sind, den Kindern vormittags im Garten zu helfen und ihnen ihre Kenntnisse über die lokalen traditionellen Anbaumethoden zu vermitteln. Anschließend folgt ein Kochworkshop mit traditionellen Rezepten, um vergessene typische Gerichte wieder zu beleben. Er wird von den Terra Madre Köchinnen der Dembe Women’s Group geleitet.
Das Convivium Slow Food Mukono hat 2006 ein Programm zur Ernährungserziehung eingeführt und arbeitet heute mit über zwanzig Schulen zusammen, um die Einstellung der Jüngsten zur Landwirtschaft zu verbessern, innovative Methoden für die Ernährungssouveränität zu entwickeln und vor allem die Aufmerksamkeit auf die Einrichtung von Schulgärten zu richten, in denen Obst- und Gemüsesorten mit nachhaltigen Techniken angebaut werden.

In Santa Barbara, Costa Rica, lernen über fünfzig Menschen auch aus den umliegenden Dörfern, wie man einen Solarofen baut, um die Sonnenstrahlung für das Garen von Speisen zu nutzen. Die Veranstaltung wird von den Frauen des Vereins Sol de Vida organisiert, ein Terra Madre Bündnis, das sich für biologischen Anbau, den Schutz des lokalen Saatguts, die traditionellen Anbautechniken und die Nutzung von Sonnenenergie zum Kochen einsetzt. Das Publikum kann auch an Workshops zur Agrarökologie teilnehmen und praktische Kenntnisse erwerben, z.B. wie man natürliche Düngemittel herstellt.
Ganz im Geist des Terra Madre Day endet die Veranstaltung mit einem Essen, das im Solarofen gekocht wird. Die Frauen von Sol de Vida bereiten Gerichte mit der Nuss vom Ojoche-Baum zu, der im tropischen Regenwald wächst, darunter Suppen, Tortillas, Torten und Süßspeisen, aber auch andere Rezepte mit Mais, Bohnen, Maniok und Curcuma. Die Zubereitung und das Essen werden untermalt von der afro-zentralamerikanischen Musik mit den Rhythmen der Marimba, einem traditionellen Schlaginstrument.

Die Mitglieder der Fischergemeinschaft in Bellingham an der Küste des Staates Washington, USA, treffen sich jeden Herbst, um den Fang der Saison zu teilen und für die folgenden Monate zu konservieren. Weil die Kleinfischerei in dieser Region so wichtig ist, organisiert Slow Food Fourth Corner zum zweiten Mal die Veranstaltung zum Terra Madre Day und lädt die zahlreichen Convivien der Umgebung ein.
Das ganze Wochenende ist zum Fest geworden und vergeht damit, dass jeder den Fisch nach einem alten Rezept aus der Bretagne filetiert und zubereitet, um ihn dann in Gläsern zu konservieren. Es handelt sich um den Weißen oder Langflossenthun, der mit der Angel an der amerikanischen Küste gefangen wurde. Diese Art des Fischfangs wurde vom Marine Stewardship Council zertifiziert und wird auf der Liste von Monterey Bay Aquarium\'s Seafood Watch empfohlen.