Slow Food
   

Terra Madre Day in Palästina: Wiederentdeckung kulinarischer Traditionen


Italy - 07 Dec 10

Die Weitergabe von Wissen über die Zubereitung der Lebensmittel und die lokalen Traditionen steht im Mittelpunkt einer Reihe von Events, die in Palästina für den Terra Madre Day organisiert werden. An dem Tag zur Ehre des lokalen Essens, der am 10. Dezember stattfindet, nehmen in über 100 Ländern in 900 Events Bauern, Erzeuger, Schulen, Köche und Mitglieder des Netzwerks von Slow Food teil. In Gaza wird der Terra Madre Day mit einer Veranstaltung zur Förderung der gastronomischen Traditionen und der lokalen Produkte begangen, die durch die Isolierung, die Verbreitung von israelischen Niedrigpreisprodukten und der hohen demografischen Konzentration vom Verschwinden bedroht sind. Paradoxerweise konsumieren die Palästinenser nämlich nur ganz wenige Produkte, die aus ihrem Gebiet stammen, sondern ersetzen sie durch importierte Lebensmittel. Die Women’s Clubs des Gazastreifens organisieren in ihrem Sitz in Rafah ein Essen mit Maftoul (dem palästinensischen Couscous), das nach alten Rezepten zubereitet wird. Die Zutaten dafür stammen zum größten Teil aus den 150 Kleingärten in den Höfen der Häuser im Gazastreifen. Sie entstanden auf Initiative der NGOs ACS (Verein für Kooperation und Entwicklung) und Parc (Palestinian agricultural relief committee) und bieten den Frauen in dem Gebiet ein Mittel, um der Lebensmittelknappheit abzuhelfen und ihnen eine wenn auch kleine Einkommensquelle zu garantieren. Die gleiche Initiative wird gleichzeitig auch in Jericho im Westjordanland organisiert. Die ältesten Frauen der Gemeinschaften, die wahren Hüterinnen des palästinensischen kulinarischen Erbes, bereiten zusammen mit Schülern zwei Gerichte zu: Couscous und Freekeh (gerösteter grüner Weizen). An beiden Events nehmen rund 150 Menschen aus den Women\'s Clubs und den von Parc koordinierten Basisgruppen teil, unterstützt von den Terra Madre Bündnissen der Couscous-Erzeugerinnen aus Jericho und Gaza und der Freekeh-Erzeugerinnen aus Nablus. In den Dörfern Beit Dajan und Sabastia im Bezirk Nablus im Norden des Westjordanlands kochen die Frauen der lokalen Gemeinschaften traditionelle Rezepte und erklären die Zubereitung. Die Veranstaltung wird von der palästinensischen NGO YDA (Youth development association) organisiert, die ehrenamtliche Arbeit mit jungen Menschen im Westjordanland und im Gazastreifen organisiert. Vertreter der YDA nahmen wegen ihrer Arbeit mit jungen Palästinensern an der letzten Terra Madre im vergangenen Oktober in Turin teil. Mitglieder der YDA erzählen Schülern im Dorf Ithna (Distrikt Hebron) und Wadi Fokeen (Distrikt Bethlehem) im Süden des Westjordanlands von ihrer Turiner Erfahrung beim Welttreffen Terra Madre. Dazu finden Gespräche über Slow Food und Terra Madre mit Verkostungen von traditionellen Produkten statt, an dem die lokalen Women’s Clubs und die Einwohner der nahen Dörfer teilnehmen. Am Samstag, 11. Dezember wird in Al-Bireh, einem Städtchen bei Ramallah, anlässlich des Terra Madre Days der wöchentliche Bauernmarkt aus dem botanischen Garten Al Kaykab in besonderer Form abgehalten: Zusammen mit den Kleinerzeugern sind auch Schüler einer lokalen Schule, die einen Biogarten angelegt haben, und Frauen aus den Kooperativen der nahen Dörfer vertreten, die Konfitüre und Marmelade verkaufen. Dies ist eine einzigartige Chance, um die handwerklichen Agrar- und Lebensmittelprodukte hoher Qualität aus dem Gebiet von Ramallah kennen zu lernen: Brot, Molkereiprodukte, Honig, Oliven... Der Bauernmarkt und die Sonderveranstaltung zum Terra Madre Day werden von Sharaka organisiert, einer ehrenamtlichen Gruppe, die die Kleinbauern unterstützt, indem sie die Lebensmittelkette vom Erzeuger zum Verbraucher verkürzt.