Slow Food
   

Afrikanische Hirten auf der Cheese 2011


Italy - 18 Sep 11

Milchbauern aus ganz Afrika standen im Mittelpunkt des Milch Workshops, welcher am Samstag den 17. September im Haus der Biologischen Vielfalt stattfand. Während der Begrüßung der Hirten betonte Carlo Petrini die Bereitschaft von Slow Food und Terra Madre die Afrikaner in ihrem Kampf um Lebensmittelsouveränität zu unterstützen. „Es ist schwer ein Bauer in Europa zu sein, aber in Afrika ist es dreimal schwerer!“ sagte er. „Ihr solltet stolz sein, auf das was ihr leistet, und müsst den Mut haben stand zu halten. Denn Afrika ist die Zukunft, und diese liegt in Euren Händen,“ schlussfolgerte er. Der anhaltende Austausch von Erfahrungen afrikanischer und europäischer Bauern, wie jetzt bei der Cheese 2011 sei von unschätzbarem Wert und eine Notwendigkeit, so Petrini. Slow Food zeigt wachsende Präsenz auf dem Afrikanischen Kontinent. Mit Aktionen in über 30 Ländern versucht es die traditionelle Landwirtschaft zu fördern. Diese beruht auf der Diversität des Anbaus im Einklang mit der Natur, und mit minimalen Inputs. Den Bauern und Nomaden hat diese Lebensweise über Jahrtausende das Überleben in einer unwirtlichen Umgebung gesichert. In der übervollen Kirche San Rocco, welche während der Cheese 2011 zum „Zentrum der biologischen Vielfalt“ umfunktioniert wurde, stellten vier Afrikanische Hirten ihre Lebens- und Produktionsweise vor und sprachen von den Herausforderungen denen sie sich stellen müssen. Weiterhin dankten sie Slow Food für die Unterstützung und Partnerschaft, die es ihnen ermöglicht, sich selbstständig zu machen und sich weniger isoliert zu fühlen. So wurde in Kenia das Slow Food Presidio Joghurt mit Asche von den Pokot gegründet. Einer der Hirten ist Ruben Loitang. Er besitzt Kühe und Ziegen und baut Mais, Bohnen, Hirse und Sorghum an. Auf sein Produkt Joghurt mit Asche ist er sehr stolz: „Kinder aus der Stadt mögen meinen Joghurt nicht, aber sie sind nicht so gesund wie meine Kinder“. Aus Burkina Faso wurde der „Conseil Regional des Unions du Sahel“ vorgestellt, eine Vereinigung die über 40.000 Hirten in der Vermarktung und dem Verkauf ihrer Produkte unterstützt und ihnen in der Regierung Gehör verschafft. Seydou Madia, der Präsident, stellte ein aktuelles Projekt vor: ein Netzwerk von Molkereien, in denen Frauen ihre eigenen Käse herstellen können und somit ein eigenes Einkommen haben. Dromedar-Züchter Mohammed Tate aus Mauretanien sprach von seinem Wunsch, seine Kamelmilch zu Käse zu verarbeiten. Somit könne er seine Überproduktion besser nutzen und auf dem Markt einen besseren Preis erzielen. „Wir möchten auf der nächsten Cheese mit unserem eigenen Käse vertreten sein!“ sagte Tate. Shenko Baka vom äthiopischen Stamm der Karrayo ist Hirte in der Oromia Region. Er erläuterte die Schwierigkeiten denen er und sein Volk sich aufgrund des Klimawandels und einer hinderlichen Politik stellen müssen: „Wir sind keine sesshaften Bauern. Aber aufgrund der Veränderungen in unserem Gebiet können wir auch nicht länger als Nomaden leben. Wir wollen unseren Lebensstil beibehalten. Bevor wir in Kontakt mit Slow Food kamen, dachten wir, wir seien verloren, niemand wusste von unserer Existenz. Aber dann erkannten wir, dass es jemanden gibt, der über uns bescheid weiß, der uns versteht und unsere Lebensweise schätzt.“ Auf die Ansprachen der Hirten folgte die Präsentation eines Handbuchs über Produktionshygiene für Afrikanische Lebensmittelproduzenten, herausgegeben von Slow Food und der Handelskammer von Turin. Anschließend wurde die Dokumentation: Jeans & Martò von den Regisseuren Clio Sozzani und Claudia Palazzi vorgestellt. Der Film erzählt die Geschichte von Roba Bulga einem jungen Karrayu-Hirten, der aus seinem Dorf zu Terra Madre nach Turin reist.