Slow Food
   

Extreme Maßnahmen zum Schutz der Biodiversität gefordert!


Italy - 17 Sep 11

Unter dem Motto Wenn die biologische Vielfalt lebt, lebt der Planet wurde gestern in Bra auf der Cheese 2011 über die Krise der biologischen Vielfalt diskutiert. Das Internationale Forum suchte dabei nach möglichen Lösungsansätzen für den Erhalt der Artenvielfalt. Für Slow Food ist dieses Thema seit Jahren ein Grundanliegen. Dabei geht es vor allem um, die vom Menschen domestizierte Arten. Denn diese, so Piero Sardo, der Präsident der Slow Food Stiftung für biologische Vielfalt, sind bedrohter als viele wilde Tier und Pflanzenarten. Sie bilden die Grundlage unserer Ernährung und unserer Existenz. Natürlich stellen die von Slow Food unterstützten Käse, Salami und Co. keine biologische Vielfalt dar, doch sind es ihre Anbauweisen und Produktionsmethoden, welche die biologische Vielfalt bewahren und stärken. Da leider nicht alle Produzenten in diese Richtung arbeiten sieht Bo Normander, Präsident des Europäischen WorldWatch Institute die Agrobiodiversität vor allem bedroht durch: Eine von Menschen geschaffene Kulturlandschaft mit zu großen Feldern; den Einsatz von zu viel Stickstoff durch Kunstdünger; sowie den unangemessenen Subventionen für Großbetriebe, frei nach dem Motto: Wer mehr produziert wird besser gefördert. Daher fordert Normander eine Umstrukturierung nicht nur der landwirtschaftlichen Nutzflächen, sondern auch der Europäischen Subventionierungsmethoden der GAP in 2013. Dieses Thema wird von Susanna Cenni, Abgeordnete des Italienischen Parlaments, als Kernpunkt einer neuen politischen Handlungsweise gesehen. Wie die aktuelle Wirtschaftskrise zeige ist das alte Modell, den Fortschritt mit wirtschaftlichen Mitteln zu messen, überholt und ein Paradigmenwechsel nötig. In einem Dokument für Agrobiodiversität, das in Zusammenarbeit mit Slow Food Italien entstand, fordert sie die Bewahrung der genetischen Vielfalt, sowie freien Zugang zu Saatgut und die Schaffung von Produzenten-Netzwerken, um kleine Saatgutbanken und Zuchtbetriebe aufzubauen. Die Schaffung von Netzwerken wurde ebenso von Francesco Sottile, Professor am Landwirtschaftlichen Institut der Universität von Palermo, gefordert. Er bemängelt, dass es keinen internationalen Austausch über landwirtschaftliche biologische Vielfalt gibt und das für wirklichen Schutz der domestizierten Arten, für den nicht Forscher sondern Produzenten verantwortlich sind, kaum Fördermittel bereitstehen. Dabei ist der Erhalt der Artenvielfalt wichtig für die Bauern selbst. Wie Ariel Brunner, Leiter des BirdLife Europe, betont, wird gut die Hälfte unserer Nutzpflanzen von Schmetterlingen und Hummeln bestäubt, welche durch den Einsatz von Pestiziden in den letzten 20 Jahren stark reduziert worden. Er betont, dass die unangemessene Verteilung der EU-Subventionen zu einer Schädigung der Landwirtschaftlichen Nutzfläche durch Großproduzenten führe. Einen praktischen Lösungsansatz bietet dazu Francesco Panella, Leiter der Vereinigung der biologischen Imker Italiens. Er hält die Felderwirtschaft für eine wichtige Methode zum Schutz von Insektenarten und fordert die Durchsetzung einer entsprechenden Eu-Richtlinie. Laut dem Meeresbiologen und Verantwortlichen für Umweltschutz in Slow Food Italien, Silvio Greco, verschwinden etwa 15% der Arten jedes Jahr doch dass Ausmaß der biologischen Vielfalt wurde bisher wenig erforscht. Des Weiteren tragen Ausbeutung und Verschmutzung der Ökosysteme zum schnelleren Artensterben bei. Greco fordert ein Umdenken eines jeden im alltäglichen Leben, besonders im Konsum. Aleksander Baranov, Leiter des Conviviums in Moskau zeigte eine außereuropäische Sichtweise über den Artenschutz. Er setzt sich besonders für kleine Saatgut Banken und Kampagnen zur Aufklärung der Bevölkerung ein. Am Schluss der Konferenz fasste Hannes Lorenzen, Berater des EU-Parlaments für biologische Vielfalt, die Hauptaspekte der Konferenz zusammen und betonte die Rolle der EU-Bürger in der Umstrukturierung der GAP. Bis 2013 hat jeder einzelne die Möglichkeit die GAP durch unterstützen von Initiativen wie z.B. Slow Food mitzuformen.