Slow Food
   

Salone del Gusto und Terra Madre – ein neues Messemodell


Italy - 03 Sep 08

Salone del Gusto und Terra Madre 2008 sind der Ausgangspunkt für einen ehrgeizigen mehrjährigen Entwicklungsplan: Die größte Messe zu den Qualitätslebensmitteln und das wichtigste Treffen der Lebensmittelbündnisse aus aller Welt sollen zu zwei Events mit geringer Umweltbelastung werden. Slow Food, Region Piemont und die Stadt Turin, die Organisatoren beider Veranstaltungen, schlagen zusammen mit dem Studiengang Industriedesign (Polytechnikum Turin) in Zusammenarbeit mit der Stiftung ZERI und anderen Partnern einen Weg ein, der versuchsweise bereits 2006 eingeführt wurde und zur systematischen Anwendung der Vision für ein solches umweltfreundliches Event führen soll. Ziel des Projekts Events mit geringer Umweltbelastung, das zum Programm Turin 2008 World Design Capital gehört, ist nämlich die progressive Verringerung der Umweltauswirkungen von Salone del Gusto und Terra Madre über nachhaltige Szenarien für Konsum und Abfallmanagement. Die Projektbereiche, die dieses Jahr dafür in Betracht gezogen wurden, sind: - Ausstattung, - Abfallerzeugung, - Verpackungen, - Materialien für den Verzehr der Lebensmittel, - die “Mensa von Terra Madre” und die Ideale Kantine, - Logistik für den Warentransport und die Mobilität der Delegierten von Terra Madre/der Besucher, - Energieressourcen, - CO2 Emissionen. Ausstattung und Ausstattungskomponenten Slow Food hat in Zusammenarbeit mit Set Up und dem Studiengang Industriedesign beschlossen, die Ausstattung zu 50% zu ändern, indem Komponenten der normalen Messefertigteile durch Celenit-Bestandteile ersetzt werden. Dieses Material wird nicht chemisch behandelt, um die Parameter der Feuersicherheit zu erfüllen, und kann gemäß Richtlinie UNI EN 13168 als öko- und biokompatibel definiert werden (biologisch abbaubar). Die wahre Neuheit ist allerdings, dass es, wenn es für Messeevents nicht mehr verwendbar ist, von der Autobahngesellschaft genutzt wird: Die Firma Autostrade hat das Material zuerst angekauft, es dann an Set Up für die Ausstattung vermietet und wird es für den Bau von Spundwandkästen für Straßenfundamente verwenden. So endet das Material nicht auf der Mülldeponie. Das Material für die Kommunikation wird dagegen eigens so entworfen, dass es nach der Messe in anderen Anwendungsbereichen wiederverwendet werden kann. Vom architektonischen Standpunkt aus ist sicher die Entscheidung, auf den Teppichbelag zu verzichten, strategisch. Seit jeher ist die Auslegeware eine der kostspieligsten, dabei aber kurzlebigsten Komponenten in der Messe. Aus diesem Grunde hat Slow Food beschlossen, sie abzuschaffen und den Boden der Messehallen unbedeckt zu lassen. In bestimmten Bereichen werden waschbare Bodenlacke natürlicher Zusammensetzung als Hinweis/Markierung für spezifische Zonen innerhalb des Events verwendet. Abfallsammlung Slow Food hat in Zusammenarbeit mit der städtischen Müllabfuhr AMIAT und dem Studiengang Industriedesign nach einer Analyse der Abfallproduktionsströme ein System für die Abfallentsorgung entwickelt, das auf 50%-ige Trennung abzielt. Dies ist eine völlig neue Initiative, denn zum ersten Mal wurde hier eine Messe ausgehend von der Anforderung des Recyclings entwickelt. Alle gesammelten Materialien werden nach strengen Auflagen der Entsorgung/Wiederverwertung verarbeitet, die nach dem korrekten Recycling eine sichere Erzeugung von neuen Materialien und Objekten ermöglichen. Die Kontrolle der verschiedenen Ketten wird von anderen Partnern des Projekts Events mit geringer Umweltbelastung wie Comieco und Consorzio Nazionale Acciaio (dem italienischen Stahlkonsortium) überwacht. Verpackungen Dieses Projekt, das zusammen mit strategischen Partnern wie Comieco, Consorzio Nazionale Acciaio, Saint Gobain Vetri, ReAcademy und dem Studiengang Industriedesign entwickelt wurde, hat sich zum Ziel gesetzt, in der Veranstaltung neue Modelle für den Verbrauch und die Produktion von Lebensmittelverpackungen zu verbreiten. Wir können fünf Designentwürfe für Verpackungen vorweisen: - Neues Packaging aus Glas für die Förderkreise: Der Entwurf stammt von Saint Gobain Vetri. - Ein innovatives Packaging für offene Weinflaschen, die man mit nach Hause nimmt: Der Entwurf wurde von Comieco entwickelt, angewendet wird er in der Önothek. - Kelter-Sitze: Sie wurden unter Wiederverwendung von Barriquefässern von ReAcademy entwickelt und kommen ebenfalls in der Önothek zum Einsatz. - Mr Pet: System für die Sammlung und Entsorgung von PET-Flaschen, die zu Einkaufskörben und -wagen für Supermärkte verarbeitet werden: ein Projekt von ReAcademy. - Valorisierung und Entwicklung von Stahlverpackungen: ein Projekt vom Consorzio Nazionale Acciaio in Zusammenarbeit mit dem Slow Food Förderkreis der San Marzano-Tomaten. Das Thema des angewandten Designs für Verpackungen wird auch bei Terra Madre in einer Konferenz mit dem Titel STRATEGIES – When the product speaks. Promotion and communication through sustainable packaging behandelt. Verpackungshersteller treffen sich mit den Erzeugern der Förderkreise und Lebensmittelbündnisse, um neue Lösungen für die Nachhaltigkeit von Lebensmittelverpackungen zu finden. Sehr interessant im Hinblick auf das Verpackungsthema ist auch, dass Slow Food ein Jahr vor dem Inkrafttreten des Gesetzes, das Einkaufstüten aus Plastik verbieten wird, bereits alternative Möglichkeiten wie Shopper aus biologisch abbaubarem Material, Altpapier und natürlichen Geweben fördert. Materialien für den Verzehr der Lebensmittel Mit diesem ehrgeizigen Projekt, das zusammen mit Novamont entwickelt wurde, fördern Salone del Gusto und Terra Madre vollständig biologisch abbaubare Materialien für den Verzehr von Lebensmitteln. Dies ist die einzige mögliche Alternative für Messeveranstaltungen dieser Größe, um Plastikteile zu ersetzen. In Zusammenarbeit mit Novamont und EcoZema stellt Slow Food allen Ausstellern ein Kit aus Geschirr, Tüten und Servietten aus Zellulosepaste und Mater Bi zur Verfügung. Innerhalb des Salone gibt es dann einen Standort, an dem diese Komponenten zu einem wettbewerbsfähigen Preis verkauft werden. In dem Systementwurf, der hier zur Anwendung kommt, treten die durch diese Bestandteile erzeugten Abfälle in den Kreislauf der Sammlung von organischem Abfall ein und erzeugen so ein neues Produkt: Kompost. Die Mensa von Terra Madre und die Ideale Kantine In Zusammenarbeit mit Risteco, dem Studiengang Industriedesign und anderen strategischen Partnern in der Gemeinschaftsgastronomie wurde die Mensa von Terra Madre so angelegt, dass sie auf CO2-Emissionen achtet und Produkte lokaler Herkunft fördert (das Projekt berücksichtigt natürlich die Anforderungen aus der Tatsache, dass hier rund 5000 “Lebensmittel-Fachleute” aus aller Welt verpflegt werden müssen). Im Bereich der Idealen Kantine, in der die Realität der Gemeinschaftsverpflegung heute und die Ideen von Slow Food und anderen Partnern für die Zukunft vorgestellt werden, wird dem Design der Kantine und der lokalen Lebensmittelproduktion besondere Aufmerksamkeit gewidmet. In Zusammenarbeit mit Comieco wird außerdem im Bereich der Idealen Kantine oder im Theater des Geschmacks am Donnerstag, 23. Oktober 2008, der Kalender Gusto cosi (Ricettario degli Avanzi) mit Rezepten für die Resteverwertung vorgestellt. Geplant ist auch die Präsentation eines Kochbuchs mit dem Titel La cucina quotidiana a ridotte emissioni di CO2 (Die tägliche Küche mit geringeren CO2-Emissionen) in Zusammenarbeit mit Azzero CO2. Logistik für den Warentransport und die Mobilität der Delegierten von Terra Madre/der Besucher In Zusammenarbeit mit Sotral und dem Studiengang Industriedesign wird für die Produkte der internationalen Förderkreise die Anwendung eines Logistiksystems mit geringer Umweltbelastung angeboten. Mit Sotral wird derzeit ein Transportsystem für die Produkte vom Flughaften Caselle zum Messezentrum Lingotto mit umweltfreundlichen LKWs in Zeiten und Strecken entwickelt, die das urbane Verkehrsnetz der Stadt Turin nicht beeinträchtigen. Zusammen mit dem öffentlichen Verkehrsbetrieb GTT, Irisbus-Iveco, Metano und dem Studiengang Industriedesign entsteht ein Projekt, das die Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel durch die Besucher überwachen und fördern soll: ein Shuttlebussystem von Bahnhof Lingotto zur Messe mit umweltfreundlichen Fahrzeugen (mit Methan oder elektrisch angetrieben oder experimentelle Modelle). Zum Thema Mobilität entwickelt Slow Food zusammen mit Seag auch die Möglichkeit, eine umweltschonende Reisebusflotte für die Delegierten von Terra Madre zu nutzen. Seag hat garantiert, dass ca. 70% der Fahrzeuge der Kategorie Euro 3 und Euro 4 angehören (derzeit die 2 umweltfreundlichsten Kategorien). Energieressourcen In diesem Gebiet wurde eine Strategie für die Energieversorgung aus lokalen erneuerbaren Quellen erarbeitet. Der Studiengang Industriedesign untersuchte das Angebot in der Region Piemont und fand eine Firma, die bei der Produktion alternativer Energien besonders aufmerksam und effizient ist: Marcopolo Environmental Group. Die Unternehmensgruppe, ein strategischer Partner des Projekts Events mit geringer Umweltbelastung, liefert die erforderliche Energie für die Messe, indem sie eine gleiche Menge an Energie aus ihren Biomasseanlagen ins Netz einspeist. Diese Anlagen werden mit Rückständen von Tierzuchtbetrieben im Piemont betrieben. Die wichtigsten Vorteile dieses Energieerzeugungssystems sind: - die Wiederverwertung von Komponenten, die derzeit Abfall sind, - der Überschuss an verfügbaren Ressourcen, die saisonweise regenerierbar sind, - einfache Energiegewinnung, - sehr geringe Kosten, - das düngende Potenzial, - keine Umweltbelastung: Das CO2, das bei der Energieproduktion freigesetzt wird, entspricht dem, das beim Wachstum der verwendeten Biomasse gespeichert wurde. Die Verwendung regenerierbarer Quellen für die Versorgung der Messe mit Elektrizität und Gas ist ein erster Schritt zur Förderung von Events, die in Bezug auf die Energie nur noch minimale Umweltbelastung haben. CO2-Emissionen Slow Food betritt in Zusammenarbeit mit Azzero CO2 und dem Studiengang Industriedesign einen Bereich, den man als Design des Territoriums bezeichnen könnte. Aus einer Schätzung der CO2-Emissionen bei der Veranstaltung 2006 ergab sich eine Produktion von ca. 1.600 Tonnen, zu denen noch 6,2 Tonnen CO2 aus dem Energieverbrauch des Gebäudes hinzuzuzählen sind. Es ist daher notwendig, über erfolgreiche Praktiken nachzudenken, die diese Emissionen verringern können: Man kann zum Beispiel die Besucher anregen, nachhaltige Verkehrsmittel zu nutzen, die Verwendung von lokalen Produkten in der Gastronomie fördern und für die ausgestellten Waren ein möglichst umweltfreundliches logistisches Transportsystem. Außerdem werden als Kompensation für die CO2-Emissionen Bäume gepflanzt und Projekte zum Schutz der biologischen Vielfalt im Flusspark des Po im Turiner Abschnitt durchgeführt.